Heynckes kommt : Münchens Klimawandel

Jupp Heynckes wird ab der neuen Saison wie erwartet als Trainer beim FC Bayern arbeiten. In den kommenden zwei Jahren soll er als pflegeleichte Zwischenlösung dienen.

Carsten Eberts

Der Himmel über München leuchtete strahlend blau, als der FC Bayern die erste positive Nachricht seit Wochen in die Welt verkündete. Gewiss, die Neuigkeit war erwartet worden; alles hatte darauf hingedeutet, dass Jupp Heynckes noch vor dem kommenden Ligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach als künftiger Bayern-Trainer vorgestellt würde. Am Freitagmittag war es so weit: Der FC Bayern teilte mit, dass Heynckes die Mannschaft zum 1. Juli 2011 übernimmt, er unterschrieb bereits am Donnerstag einen Vertrag für zwei Jahre. „Jupp Heynckes war unser Wunschkandidat“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und bestätigte damit, was ohnehin schon alle wussten. Der Klub sei „überzeugt, dass wir mit Jupp Heynckes eine erfolgreiche Zusammenarbeit haben werden“. Der Freund der Familie kehrt also zurück nach München.

Die Bayern-Bosse hatten zuletzt gar nicht erst versucht, aus ihrer Zuneigung ein Geheimnis zu machen. Der neue Trainer sollte zwingend einer sein, dem sie vertrauen, der das exquisite Bayern-Ensemble verwalten statt revolutionieren soll, der Sicherheit vermittelt, statt spitzfindige Grabenkämpfe zu initiieren: Heynckes eben. Dass die Verkündung einige Tage auf sich warten ließ, lag eher am Wunschkandidaten selbst: Seinen Weggang aus Leverkusen zum Saisonende hatte er zwar längst verkündet, Heynckes spielte jedoch offen mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu gehen. Vor allem wegen seiner Familie, die er vor einem Umzug bewahren wollte.

Letztlich drängte es Heynckes jedoch zurück nach München. „Ganz abgesehen von den guten persönlichen Beziehungen zu den Verantwortlichen des FC Bayern hat mir immer imponiert, wie professionell dieser Klub geführt wird“, sagte Heynckes. „Natürlich ist man als Bayern-Trainer gewissermaßen zum Erfolg verpflichtet. Ich sehe dabei aber eine reizvolle Aufgabe, der ich mich zusammen mit der Mannschaft in den kommenden zwei Spielzeiten gerne stellen möchte.“

Mitten in der Länderspielpause hat Heynckes den Bayern damit beschert, was dem Klub in den vergangenen Wochen wohl am meisten abging: mittelfristige Planungssicherheit. Van Gaal wird die Mannschaft bis Saisonende betreuen, womöglich noch in die Champions League führen. Ab Juni übernimmt dann Heynckes. Sein nicht zu unterschätzender Vorteil: Er dürfte derjenige Trainer sein, der im Verein den größten Rückhalt seit Ottmar Hitzfeld genießt. Besonders mit Präsident Uli Hoeneß verbindet Heynckes eine große Freundschaft: Beide haben nach Heynckes' Entlassung 1991 gemeinsam geweint, besuchten sich über die Jahre regelmäßig, tranken Rotwein, spielten Schafkopf. „Ich war bereits zweimal Trainer beim FC Bayern und habe dabei immer das Klima geschätzt, in dem dort gearbeitet wird“, sagte Heynckes. Persönliche Differenzen wie mit Klinsmann oder van Gaal wird es mit Heynckes nicht geben.

Für die Bayern ist Heynckes eine mittelfristige Zwischenlösung. Eine Ära lässt sich mit dem fast 66-Jährigen nicht begründen, dafür ist Heynckes eindeutig zu alt. Läuft alles nach Plan, erfüllt er seinen Vertrag bis 2013, wäre er dann 68 Jahre alt, reif für den Ruhestand. Der Verein hingegen hätte zwei Jahre Zeit, sich zu regenerieren, um dann womöglich einen neuen Versuch zu starten: Mit einem konzeptionell veranlagten Trainer, einem wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder gar Joachim Löw, die diesmal nicht zu bekommen waren. Doch wer will in turbulenten Tagen wie diesen schon so weit planen?

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