Heynckes und Bayern : Erinnerungen an die Zukunft

Rückkehr und neue Zeit liegen nah beieinander, wenn Bayern München heute Bayer Leverkusen empfängt. Vor allem für Jupp Heynckes und Jörg Butt, deren Wege sich oft trafen.

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Jupp Heynckes (r, derzeit Leverkusen) trifft wieder auf Jörg Butt (Bayern München).
Jupp Heynckes (r, derzeit Leverkusen) trifft wieder auf Jörg Butt (Bayern München).Archivfoto: dapd

In einer ruhigen Minute – auch die wird irgendwann kommen – können sie sich mal zusammensetzen und ein bisschen über Lissabon fachsimpeln. Vielleicht nicht gerade über Finanzkrise und Rettungsschirm, das kam ja erst nach ihrer Zeit in Portugal. Sondern über die schönen Dinge, die das Leben dort bietet, die Altstadt, die Musik, und vielleicht auch über Benfica. Dort waren sie schließlich beide mal beschäftigt, Jupp Heynckes und Jörg Butt – wenn auch jeweils nur für eine eher unglückliche Saison. Aber die Schönheit der Stadt Lissabon tröstet doch über manches hinweg, Jörg Butt würde sich dort gern mal einen Wohnsitz einrichten.

Diese ruhige Minute wird es erst nächste Saison geben, wenn Heynckes mal wieder Cheftrainer beim FC Bayern wird und Butt für ihn arbeiten wird, ob als (Ersatz-)Torhüter oder als Jugendleiter, das steht noch nicht fest. Aber die beiden werden sich vorher schon begegnen, an diesem Sonntag, wenn Bayer Leverkusen um 15.30 Uhr bei den Bayern zu Gast ist. Heynckes und Butt werden diesen Tag als Rückkehrer erleben.

Für Heynckes wird es ein seltsames, vielleicht auch verwirrendes Erlebnis werden. Denn eigentlich ist es ja nur eine Rückkehr für einen Tag zu dem Verein, dem der 65-Jährige sich so verbunden fühlt wie keinem anderen. Schließlich ist Heynckes Trainer in Leverkusen und steckt mitten im Kampf um die deutsche Meisterschaft, noch. Denn zugleich wird dieser Sonntag eine Ouvertüre für die große Heynckes-Rückkehr im Sommer. Deshalb wird der Empfang, den Fans und die Bayern-Funktionäre dem hier ohnehin so beliebten Trainer bereiten, noch ein Stück herzlicher werden als sonst.

Dabei kann Heynckes mit seiner formidablen Leverkusener Mannschaft den Bayern und damit in der Konsequenz auch sich selbst empfindlich schaden. Eine Heimniederlage des Rekordmeisters würde jedenfalls für die nächste Saison das Albtraumszenario Europa League noch ein Stück wahrscheinlicher machen.

Jörg Butt hat es da ein Stück leichter. Die Hälfte seiner 381 Bundesligaspiele hat der 36-Jährige zwar für Leverkusen abgeleistet, mit diesem Verein hat er das Champions-League-Finale 2002 erreicht und im selben Jahr kurz vor knapp die Meisterschaft vergeigt. Aber inzwischen gehört Butts Loyalität allein dem FC Bayern, mit dem er das Champions-League-Finale 2010 erreichte und im selben Jahr die Meisterschaft und den Pokal gewann.

Die meisten anderen Torhüter hätten das bisherige Jahr 2011 als arge Prüfung ihrer Loyalität begriffen. Doch nicht so Butt. Für ihn steht fest, dass er seine berufliche Zukunft auch nach der aktiven Karriere beim FC Bayern verbringen will. Deshalb nahm er es sportlich, als ihn Louis van Gaal im Januar hopplahopp zur Nummer zwei degradierte. Inzwischen hat sich der Wind wieder gedreht. Der Furor der Bayern-Oberen hat van Gaal weggeblasen. Und dessen ehemaliger Assistent und heutiger Nachfolger Andries Jonker bestimmte – inspiriert vom Willen des Vorstands –, dass Butt für den Rest dieser Saison wieder das Tor hüten darf.

„Thomas Kraft ist ein sehr großes Talent, das noch viel erreichen wird“, räumte Jonker ein. Aber jetzt ist bei den Bayern nicht die Zeit der Ausbildung, sondern die Zeit zu retten, was noch zu retten ist. „Es wird auch für Jörg nicht einfach, aber einfacher als für Thomas – einfach, weil er viel Erfahrung hat“, sagte Jonker.

Für ein paar Wochen sind die Lebenswege von Heynckes und Butt auch schon einmal parallel verlaufen. Vor ziemlich genau zwei Jahren war das, als Heynckes nach dem Rausschmiss Jürgen Klinsmanns auch mit der Hilfe des Torwarts Butt in fünf Spielen rettete, was zu retten war für die Bayern. Es spricht alles dafür, dass die zwei Rückkehrer auch nächste Saison gut zusammenarbeiten werden. Aber an diesem Sonntag zählt das nichts. Lissabon muss noch warten.

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