Sport : Hiddink gegen Deutschland

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Von Egon Boesten

Amsterdam. Als Analytiker des niederländischen Fernsehens hatte Johan Cruyff schon vor knapp zwei Wochen formuliert: „Guus Hiddink ist der Protagonist der holländischen Fußballschule.“ Der Holländer Cruyff, Europas Fußballer des Jahrhunderts, sieht die Leistungen von Hiddink vor allem im technisch-taktischen Bereich. Seine Landsleute fühlen sich durch Hiddinks Erfolge nicht mehr ganz so abseits vom großen Fußballgeschehen, nachdem ihre Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Fernost ja verpasst hatte. Am Dienstag verfolgten 1,3 Millionen holländische Fans Südkoreas Auftritt im Achtelfinale gegen Italien. Beim Viertelfinale gegen Spanien waren es schon mehr als zwei Millionen. Und am Dienstag können die Südkoreaner unter holländischer Führung sogar Deutschland schlagen.

Zwar suchen die Holländer wegen Guus Hiddink noch nicht, wie bei den Spielen ihrer Nationalmannschaft, in Massen die mit Fernsehgeräten ausgerüsteten Cafés auf. Aber ihre Sympathien sind eindeutig verteilt. Einer aktuellen Umfrage zufolge sind zwei Millionen Niederländer davon überzeugt, dass Südkorea Weltmeister wird.

Die neu entdeckten Sympathien für Südkorea machen sich auch auf der kommerziellen Schiene bemerkbar. Zu Beginn der WM hatten die Fernsehanstalten noch große Mühe, ihre Werbeblöcke während der Fußballübertragungen an den Kunden zu bringen. Das sieht jetzt ganz anders aus. Mittlerweile verkauft sich jede Werbeminute wie von selbst. Der Clou kommt in diesen Tagen von Delta-Lloyd. Die Versicherungsgesellschaft hat blitzschnell einen Werbespot um eine asiatische Führerfigur produziert. Darin betrachtet der Staatsmann aufmerksam seine aufmarschierenden Landsleute. Als dann ein Riesenbild gezeigt wird, erscheint auf einmal das Konterfei von Guus Hiddink. Seit Samstag ist dieser Werbespot, der mit Hiddinks Zustimmung produziert wurde, ein Renner im Sportprogramm.

Ein Renner ist das Abschneiden der südkoreanischen Nationalmannschaft auch für den niederländischen Export. Bei Philips in Eindhoven verweist ein Sprecher darauf, „dass Guus Hiddink Führungsstärke mit einer sympathischen Ausstrahlung kombiniert. Die koreanischen Siege bringen auch für uns etwas“. Der Konzern hat in Asien einen seiner wichtigsten Absatzmärkte. Marketingstrategen glauben, dass Philips durch die Erfolge von Hiddink bereits beträchtlich an Image gewonnen habe.

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