Sport : Hier Gewissheit, da Genugtuung

Für den FC Bayern München und Bayer Leverkusen geht es im letzten Vorrunden-Spiel der Champions League nicht mehr um das Weiterkommen, sondern um den Gruppensieg. Es ist das Interesse der Fußball-Bundesligisten, bei der Auslosung zur Zwischenrunde am 2. November in Monte Carlo gesetzt zu werden und damit vermeintlich leichtere Gegner zu bekommen. Denn durch den 3:1-Sieg im heimischen Olympiastadion gegen Feyenoord Rotterdam haben sich die Bayern ebenso vorzeitig für die zweite Gruppenphase qualifiziert wie Leverkusen durch das 2:1 bei Fenerbahce Istanbul. Der Titelverteidiger aus München strotzt vor Selbstvertrauen. "Wir wollen den Titel wieder nach München holen. Wir sind zurzeit unschlagbar", tönte Mittelfeldspieler Thorsten Fink. Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund reagierte ebenfalls euphorisch: "Ich schätze dies höher ein als den Uefa-Cup-Gewinn von 1988."

Wieder haben die Bayern eine Hürde genommen, ihren Siegeszug fortgesetzt und nach der Bundesligaspitze auch die Tabellenführung in der Gruppe H erobert. Trainer Ottmar Hitzfeld belohnte seine müden Profis mit einem trainingsfreien Mittwoch. "Wir sind im Kopf etwas leer", sagte der Coach. Am Dienstagabend war gegen Rotterdam davon wenig zu spüren. Zwar fehlte nach den vergangenen Festivals gegen 1860 München (5:1), Spartak Moskau (5:1) und den 1. FC Kaiserslautern (4:1) der große Glanz, aber zufrieden durften sie dennoch sein. "Man kann nicht immer so auftreten wie in den letzten drei Spielen", sagte Bayerns Präsident Franz Beckenbauer. "Ich habe schon dramatischere Spiele gesehen."

Aber wohl selten hat Franz Beckenbauer einen so starken Roque Santa Cruz gesehen. Mit seinen beiden Toren hatte der 20-jährige Paraguayer in seinem 25. Champions-League-Spiel großen Anteil an dem Sieg. "Die Tore für Roque freuen mich", sagte Beckenbauer. Santa Cruz selbst meinte: "Ich kann noch besser werden." Es reichte auch so: Schon zum fünften Mal hintereinander haben die Bayern Runde eins überstanden.

Dagegen hat Leverkusen zum ersten Mal seit der Aufstockung der Champions League die Zwischenrunde erreicht. "Das ist Gold wert", sagte Calmund. An den zu erwartenden Geldregen von 40 Millionen Mark dachte er dabei zunächst nicht. "Das ist zweitrangig. Wichtig ist das wiedergewonnene Renommee." Der Etappenerfolg auf dem Weg zu einer europäischen Spitzenmannschaft ist Genugtuung und Wiedergutmachung für eine selbst verschuldete Schmach. Nach der vor 15 Monaten in Unterhaching verspielten Deutschen Meisterschaft sei der Klub "durchs Fegefeuer" gegangen. "Daum, Koks, Völler, Vogts - wir hatten in letzter Zeit einiges zu überwinden", sagte Calmund.

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