Sport : „Hier wird nur rumgejammert“

Der Cottbuser Trainer Eduard Geyer über die mangelhafte Unterstützung aus der Region

-

Herr Geyer, in der Hinrunde gab es eine Phase, da hatte sich Energie mit dem Abstieg bereits abgefunden. Sind Sie nach Ihrem Zwischenhoch wieder an der selben Stelle angelangt?

Stimmungsmäßig ist eine Niederlage in solch einem wichtigen Spiel bedrückend. Die Mannschaft stellt sich anders dar als in der Hinrunde, aber gestern hätten wir unter keinen Umständen verlieren dürfen, zumal sich die Lauterer auch nicht als Übermannschaft präsentiert haben. Sie haben vielleicht viermal aufs Tor geschossen, aber leider waren drei Bälle drin.

Wie schwer wird es nach diesem Rückschlag, der dritten Niederlage in Folge, einen neuerlichen Kraftakt zu schaffen – so zu spielen wie die Mannschaft, die fünf Spieltage lang die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga war?

Das wird schwer. Man muss ehrlich zu sich sein, die Spieler müssen ihre Leistung selbstkritisch betrachten. Ich kann nur an alle appellieren, dass sie bis zum 24. Mai alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen.

Am Samstag fehlte vor allem die spielerische Linie.

Beiden Mannschaften war die Nervosität stark anzumerken. Wir sind inzwischen auch in einer neuen Situation: Zu Beginn der Rückrunde hatten wir nichts zu verlieren, wir sind von Erfolg zu Erfolg gerutscht – ohne die ganz große Belastung. Jetzt waren wir dran an dem großen Kuchen, und da haben die Nerven plötzlich eine Rolle gespielt.

Auch der unbedingte Wille zur Leidenschaft war nicht jedem anzumerken.

Das war vielleicht das Entscheidende. Das habe ich vermisst: das unbedingte Wollen mit kratzen, beißen, spucken um unbedingt diese Abstiegsränge zu verlassen. Da muss man eben auch mal bis an die Grenze des Erlaubten gehen. Wir kriegen eine Gelbe Karte wegen gar nichts. Lieber wäre mir, wir verdienen uns neun davon und haben Erfolg. Hier haben die Relationen nicht gestimmt. Da müssen die Spieler eben auch mal unters Sauerstoffzelt nach dem Spiel.

Aber wann wird die Mannschaft es zeigen, wenn nicht in einem Duell mit einem direkten Konkurrenten?

Das ist ja so schwer nachzuvollziehen. Da fehlen offensichtlich die Charaktere, die in der Lage sind, in der Mannschaft noch die letzten Prozent loszueisen.

Gegen den FCK fehlte auch die letzte Unterstützung des Publikums.

Sehen Sie, gegen die Bayern, gegen die wir kaum eine Chance haben, kommen die Leute angerannt - aber immer wenn wir die Zuschauer am nötigsten hatten, blieben sie zu Hause. Wenn gegen Kaiserslautern nur 13 000 kommen, ist das wahrscheinlich schon ein Zeichen von Desinteresse. Ich kann das Publikum auch nicht verstehen. Wenn die Leute Wert darauf legen, ihre Mannschaft in der Region zu halten, dann muss sich vom Ministerpräsidenten über den Bürgermeister bis zum Fan jeder darum kümmern.

Welche Unterstützung erwarten Sie?

Bei uns wird immer viel geredet, der Fußball wird gelobt, es wird gesagt, wie toll und wichtig er ist. Aber es passiert nichts. Der Verein erfährt fast keine Unterstützung. Sehen Sie was in Kaiserslautern passiert, da machen Land und Kommunen Geld locker. Wer würde die Stadt denn kennen ohne den Fußball? Die Bekanntheit, die Infrastruktur, alles hängt mit dem Sport zusammen. Dort haben die Leute das auch begriffen…

…und in Cottbus…

…wird nur rumgejammert. Wir sollen die Bundesliga halten, aber wenn wir gar nicht die Mittel haben – wie sollen wir das schaffen? Die Politiker müssten auf den Verein zugehen und mit uns Konzepte verwirklichen. Wir finden keine ausreichenden Sponsoren, wir haben bis heute keinen vernünftigen Trainingsplatz. Es wird vieles erzählt und besprochen, aber nichts umgesetzt.

Das klingt nicht besonders optimistisch.

Nein, aber wir verfallen auch nicht in übertriebenen Pessimismus. Die Punkte müssen wir selber holen. Vor unseren Heimspiele gegen Gladbach und Nürnberg darf der Abstand noch nicht zu groß sein.

Bis dahin steht noch eine Aufgabe in Berlin an, nächste Woche bei Hertha.

Die Berliner sind sehr gut besetzt, aber man weiß bei ihnen nie, was am Ende herauskommt. Wir müssen nach Berlin reisen und punkten.

Das Gespräch führte Daniel Pontzen.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar