Sport : Hier wird umgebaut

Bei den Eisbären beginnt der Streit um die Stammplätze

Claus Vetter

Berlin. Das Sportforum ist eine kleine Baustelle. Seit Ende vergangener Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wird in der betagten Heimstätte der Eisbären geschraubt und gepinselt. Ein wenig penetrant riecht sie, die Farbe, mit der die Stützpfeiler ihren türkisfarbenen Anstrich bekommen. Doch die Berliner Profis stören sich bei ihren Trainingseinheiten nicht an den unangenehmen Gerüchen. Es gibt derzeit eben Dinge, mit denen sie sich bei den Eisbären mehr beschäftigen: Das Team ist im Umbau.

Blendend sind die Berliner in die Saison gestartet, mit acht Siegen aus zehn Spielen. Ein großer Erfolg, mussten die Eisbären doch zeitweilig ohne sieben Stammspieler auskommen. Beinahe ein Dutzend junger Akteure ist eingesprungen. Nun aber kommen die erfahrenen Profis so langsam zurück wie etwa David Roberts. Der US-Amerikaner hatte sich beim Saisonauftakt verletzt. Ohne Roberts ging es irgendwie auch, allerdings nicht so gut, findet der Stürmer. „Ich habe mich über Jahre bewiesen, viele Tore geschossen“, sagt er. Druck beim Comeback? „Überhaupt nicht. Natürlich haben uns die jungen Spieler geholfen. Aber die Kernspieler mussten viele Fehler ausbügeln.“

Heute, beim Spiel der Berliner in Düsseldorf, feiert mit Darryl Shannon ein anderer kerniger Typ nach überstandener Schulterverletzung sein Comeback. Dafür wird der 18-jährige Frank Hördler erstmals bei einem DEL-Spiel in dieser Saison fehlen, er muss für die zweite Mannschaft in der Regionalliga antreten. 34 Spieler haben die Eisbären im Kader. Die Zahl der zuschauenden Spieler wird zunehmen, proportional mit der Anzahl der Rückkehrer ins Team. „Damit steigt der Druck auf den Trainer“, sagt Pierre Pagé. „Ich muss versuchen, alle bei Laune zu halten.“

Manager Peter John Lee sieht die entstehende Konkurrenzsituation als produktiv: „Die Jungs müssen ein Ziel haben.“ Und zwar laut Lee ein unglaublich hohes. „Ich habe noch mit Düsseldorf gegen Uwe Krupp gespielt“, erzählt Lee. „Als Uwe 20 war, hat er 60 000 Mark netto pro Saison in Köln verdient. Trotzdem ist er nach Amerika gegangen, hat da für 20 000 Mark brutto gespielt.“ Na klar, und später ist Krupp ein Star in der Profiliga NHL geworden, wurde der erfolgreichste deutsche Spieler aller Zeiten. Klingt simpel. „Na gut, so einfach ist das nicht“, sagt Pagé. „Aber Druck muss für junge Spieler positiv sein. Sie müssen Ehrgeiz entwickeln, Enthusiasmus haben, müssen spielen wollen.“ Das wollen bei den Berlinern zurzeit alle, wie David Roberts zugibt: „Es gibt keinen in der Kabine, der sich über zu viele Einsätze auf dem Eis beschwert.“

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