• Hilfe für Claudia Pechstein: Polizei-Gewerkschaft stellt Strafantrag gegen Eislauf-Verband

Hilfe für Claudia Pechstein : Polizei-Gewerkschaft stellt Strafantrag gegen Eislauf-Verband

Neue Hoffnung für Claudia Pechstein: Die Gewerkschaft der Polizei unterstützt die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin im Schadensersatzprozess gegen den Weltverband ISU.

Claudia Pechstein kann auf die Unterstützung ihrer Polizeikollegen setzen.
Claudia Pechstein kann auf die Unterstützung ihrer Polizeikollegen setzen.Foto: dpa

Claudia Pechstein kann bei ihrem Schadensersatzprozess gegen den Eislauf-Weltverband ISU auf die Unterstützung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hoffen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat die GdP bei der Staatsanwaltschaft München I Strafantrag gegen die ISU-Anwälte Dirk-Reiner Martens und Christian Keidel wegen des Verdachts auf Prozessbetrug gestellt. „Wir können verstehen, dass die ISU ihren Unfehlbarkeitsstatus auch vor Gerichten behaupten will, aber bitte nicht mit betrügerischen Mitteln“, begründete ein Sprecher der GdP - Bezirk Bundespolizei - am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa den Strafantrag.

Martens und Keidel vertreten die ISU im Millionenprozess, den die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin als Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei gegen den Weltverband führt. Die 41 Jahre alte Berlinerin verlangt Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 3,5 Millionen Euro für die zweijährige Sperre, die die ISU 2009 wegen Pechsteins erhöhter Blutwerte verhängt hatte.

Im Verlauf des Schadensersatzprozesses hätten die ISU-Anwälte in ihrem Schriftsatz vom 13. Juli 2013 behauptet, „dass keine der von der Klägerin seit 2009 genommenen Proben Retikulozytenwerte außerhalb der Norm aufwiesen“, hieß es von der GdP. Martens habe diese Behauptung in der Verhandlung vor der 37. Kammer des Landgerichtes München I am 25. September 2013 wiederholt.

Claudia Pechstein: "Der Strafantrag ist ein deutliches Zeichen an die ISU und ihre Anwälte, mit den Lügen aufzuhören“

„Diese Behauptung ist nachweislich falsch. ... Die Verdächtigen versuchten, sich einen Prozessvorteil zu erheischen, indem sie vor Gericht logen“, heißt es in dem Strafantrag, der bei der Münchner Staatsanwaltschaft unter dem Aktenzeichen 231 Js 204095/13 geführt wird. „Mit dieser Lüge wollten die Anwälte glaubhaft machen, dass die Werte, die im Februar 2009 zur Sperre von Polizeihauptmeister Pechstein führten, durch Manipulation verursacht worden seien“, sagte der GdP-Vorsitzende der Bundespolizei, Josef Scheuring.

Nach Kenntnis der GdP sollen bei Pechstein seit 2009 in mindestens sechs Fällen erhöhte Retikulozyten (junge Blutkörperchen) gemessen worden sein. Die Berlinerin stellte daher Selbstanzeige, um ein neues Verfahren und eine Neubewertung ihrer Werte zu erzwingen. Die ISU erhob keine Anklage, sondern teilte mit, dass der Fall für sie abgeschlossen sei.

ISU-Anwalt Dirk-Reiner Martens zeigte sich auf dpa-Anfrage überrascht von dem Strafantrag gegen sich. Der prominente Richter des Internationalen Sportgerichtshofs CAS bat aber um Verständnis, dass er zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu nicht Stellung beziehen wolle.

Pechstein verspricht sich durch die Aktion der Gewerkschaft Rückenwind für ihren nächsten Weltcup-Start am Freitag in Salt Lake City. „Meine GdP-Kollegen von der Bundespolizei achten mit Argusaugen darauf, dass ich fair behandelt werde. Der Strafantrag ist ein deutliches Zeichen an die ISU und ihre Anwälte, mit den Lügen aufzuhören“, erklärte Pechstein, die nach eigenen Angaben bislang in mehr als 500 Urin- und Blutproben keinen positiven Dopingbefund produziert hat. „Da müssten auch die ISU-Bosse längst kapiert haben, dass der Grund für meine immer mal wieder abnormen Werte nur in der mir von meinem Vater vererbten Blutanomalie liegen kann“, sagte sie.
Die ISU hatte die Sperre damit begründet, dass nur Doping Ursache der anormalen Retikulozytenwerte gewesen sein könne.

„Der Versuch des Prozessbetrugs als Sonderfalltatbestand des Betruges beginnt bereits mit dem Einreichen eines wahrheitswidrigen Schriftsatzes, was hier geschehen ist“, erklärte Scheuring und unterstrich: „Es ist die Pflicht eines Polizeibeamten, Strafantrag zu stellen, wenn er vermutet, dass eine Straftat begangen wurde.“ (dpa)

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