Sport : Hilfe für den Verfolger „Das macht keinen Spaß“ Die neue Mitte

Bayer vergibt beim 0:2 viele Chancen und lässt Gegner Frankfurt damit auf zwei Punkte herankommen Cottbus’ da Silva über seine dreimonatige Sperre Hertha BSC hat bald fertig umgebaut – vor allem zwischen Abwehr und Sturm

Claus Vetter

Als Friedhelm Funkel weit nach Spielende seinen Kommentar zum 2:0-Sieg seiner Eintracht in Leverkusen abgab, schallten immer noch die Freudengesänge der Frankfurter Fans auf der Baustelle der Leverkusener Arena. Und auch des Trainers Worte waren von großem Glück gefärbt. „Wir haben wieder einmal gezeigt, dass wir sehr schwer zu schlagen sind“, sagte Funkel. „Wir haben defensiv sehr gut gestanden, ohne das Spiel nach vorn zu vernachlässigen. Über die 90 Minuten geht der Sieg in Ordnung.“

Die Frankfurter siegen und siegen. Und sie pirschen sich so langsam an die Tabellenplätze, die am Saisonende zur Teilnahme an der Champions League berechtigen, heran. Aber dann verhalten sie sich so, als ob es das Selbstverständlichste der Bundesliga sei. Das verschafft ihnen inzwischen auch Respekt bei der Gegnerschaft. So fand Funkels Gegenüber am Sonnabend nur anerkennende Worte für die Frankfurter Leistung. Der Sieg der Hessen sei absolut verdient, sagte Michael Skibbe. Leicht fiel Skibbe das Lob für den Gegner wohl nicht. Denn Bayers Tendenz geht mit der Niederlage weiter nach unten. Leverkusen hatte schon am vergangenen Samstag 1:2 in München verloren. Es klang daher nach lautem Wunschdenken, als Skibbe gestern sagte: „Wir müssen bald wieder besser spielen und gewinnen.“

Gegen Frankfurt mangelte es Bayer Leverkusen vor 22 500 Zuschauern an Glück und Durchschlagskraft. Die Leverkusener, bei denen der russische Torjäger Dmitry Bulykin für den Griechen Theofanis Gekas in die Startformation gerückt war, starteten recht agil in die Partie: Stefan Kießling und Tranquillo Barnetta hatten erste Chancen für Leverkusen. Von der 20. Spielminute an geschahen dann allerdings viele frustrierende Dinge für Bayer: Nach einer Flanke von Simon Rolfes klärte Patrick Ochs mit Hand zum Eckball. Die Bayer-Profis forderten Strafstoß, den Schiedsrichter Herbert Fandel jedoch nicht gab. Auf der anderen Seite spielten die Frankfurter munter nach vorn und wurden für ihre beherzte Offensive mit dem 1:0 belohnt – mit einem Eigentor. Stefan Kießling köpfte bedrängt von Gegenspieler Marco Russ in René Adlers Tor. Die beste Chance vor der Pause hatte Frankfurts griechischer Nationalstürmer Ioannis Amanatidis.

In der zweiten Halbzeit wurde Leverkusens Spiel dann druckvoller, die Frankfurter kamen in der Phase nach dem Seitenwechsel kaum noch aus dem eigenen Strafraum heraus. Allerdings spielten die Leverkusener oft überhastet. „Wir sind nicht mehr durchgekommen, Frankfurt hat sehr gut verteidigt“, sagte Skibbe.

In der Nachspielzeit traf dann noch der eingewechselte Evangelos Mantzios zum 2:0 für Frankfurt. Der Nachmittag für Bayer Leverkusen war damit verdorben. Die Frankfurter hingegen werden für Bayer nun zum lästigen Verfolger. „Im Rennen um die internationalen Plätze wird es jetzt sehr eng“, sagte Skibbe. Denn durch den elften Saison-Sieg konnte Frankfurt als Tabellensechster bis auf zwei Punkte an den Tabellenvierten Leverkusen heranrücken.

Herr da Silva, wie fühlen sich drei Monate ohne Fußballspiel an?

Ganz schlecht. Die Vorbereitung und die vielen Trainingseinheiten waren ja nicht vergeblich. Aber ich konnte die Spiele nur auf der Tribüne oder im Fernsehen verfolgen. Das macht keinen Spaß.

Wie haben Sie sich motiviert?

Ich habe mir gesagt, dass ich fit bleiben muss. Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Ich will den Leuten bis dahin zeigen, dass ich ein fairer und guter Fußballer bin.

Gegen Hertha stehen Sie erstmals im Kader, seit Sie wegen Ihres Ellbogenchecks gegen Hannovers Gaetan Krebs für acht Spiele gesperrt wurden. Es war das dritte Mal, dass Fernsehbilder Sie überführten.

Im Fernsehen sieht das manchmal wirklich nicht gut aus. Allerdings gibt es ständig solche Zweikämpfe, und da passiert nichts. Aber wenn es um mich geht, wird ganz genau hingesehen.

Sie haben also nichts falsch gemacht?

Ich wurde zu hart bestraft. Es wurde als Tätlichkeit gewertet, die Arme hoch zu heben. Und da ich vorher schon mal für drei und sieben Partien gesperrt war, mussten sie mir diesmal acht Spiele geben.

Warum besitzen Sie eine für einen Brasilianer so untypische Spielweise?

Ich habe einfach nicht das Talent eines Ronaldinho oder Robinho. Mein Vorzug ist die Zweikampfstärke in der Abwehr.

Müssen Sie in Zukunft bei Zweikämpfen besonders aufpassen?

Ja. Ich weiß genau, dass man versuchen wird, mich zu provozieren. Ich muss mich zurückhalten, ohne die Zweikämpfe zu verlieren. Mein Trainer hat mir geraten, die Arme einfach unten zu lassen.

Was machen Sie, wenn Sie noch einmal so lange gesperrt werden?

Dann beende ich meine Karriere. Fußball würde dann keinen Sinn mehr machen.

– Das Gespräch führte Matthias Koch.

Berlin - Der Mann ist der personifizierte Übersteiger. Bei Gojko Kacar hat die Trickserei meist Hand und Fuß. In seiner Heimat Serbien hat der junge Fußballprofi schon geniale Tore erzielt, nachdem er die halbe Gegnerschaft mit seinen Finten zuvor düpiert hatte. In der Bundesliga, bei seinem neuen Arbeitgeber, gelang dem 21-Jährigen das zwar noch nicht, aber doch sind schon Aktionen zu sehen, die Hertha BSC nutzen: So etwa am vergangenen Sonntag, beim 1:2 der Berliner gegen Schalke. Einen Elfmeter hätte Kacar nach einem Foul an ihm bekommen können, einen anderen bekam er zugesprochen – Kacar ist einer der neuen Spieler bei Hertha, die Schwung in das Mittelfeld gebracht haben.

Gerade zwischen Abwehr und Sturm hat Trainer Lucien Favre seine Mannschaft während der Saison ordentlich umgekrempelt. Teilweise aus Zwang, weil Gilberto nach England wechselte, vor allem aber mit Konzept: Tobias Grahn, noch von Manager Dieter Hoeneß nach Berlin geholt, hat der Schweizer Trainer ersetzt durch Akteure, die seiner Philosophie vom Fußball entsprechen. Favre will schnelle, technisch versierte Spieler – möglichst jung, damit er sie noch formen kann. Im Mittelfeld haben sich neben dem zur Rückrunde gekommenen Kacar der junge Schweizer Fabian Lustenberger und der Tscheche Rudolf Skacel etabliert. Wenig ist noch übrig von Herthas altem Mittelfeld: Der Brasilianer Mineiro ist Dauerreservist, nur Patrick Ebert hat noch einen Stammplatz.

Der Zukunft liebende Trainer ist mit dem Kopf schon ein Stück in der nächsten Saison. Im Sturm hat er mit dem bereits spielenden Brasilianer Raffael, dem noch verletzt zuschauenden Bulgaren Waleri Domowtschiski und dem als Zugang gehandelten Tunesier Mohamed Amine Chermiti den nächsten Umbau vor. Nach dem fast eine Spielzeit langen Umbruch könnte Hertha dann zum Start der kommenden Saison mit einem funktionierenden Team dastehen. „Hätten wir gegen Schalke gewonnen“, sagt Manager Dieter Hoeneß, „hätte man noch über Ziele nach oben sprechen können.“ Nun aber sei für die bleibenden Spieltage genug Raum „die begonnene Entwicklung fortzusetzen und eine gute Saison gut zu Ende zu spielen“. Das erste von noch neun Spielen hat Hertha heute in Cottbus (Beginn 17 Uhr). Für Hoeneß bietet sich im Stadion der Freundschaft „eine gute Gelegenheit, einen Prestigeerfolg zu erzielen“. Aber, sagt Favre: „Cottbus hat zuletzt Bayern 2:0 geschlagen. Wir sind gewarnt.“

Immerhin stehen die Chancen auf einen Torerfolg in Cottbus für Hertha nicht schlecht, schließlich ist Stürmer Marko Pantelic nach überstandener Wadenverletzung zurück. Dafür fehlt Josip Simunic in der Verteidigung wegen seiner fünften Gelben Karte. Trainer Favre hatte übrigens kurz erwogen, Kacar in die Abwehrkette zu ziehen – das aber wieder verworfen. „Uns würde dann seine Power nach vorne fehlen“, sagt der Trainer. „Wir müssen so weiterspielen wie zuletzt“, findet auch der Serbe Kacar.

Vragel da Silva, 34,

ist Verteidiger beim Bundesligisten

Energie Cottbus.

Der Brasilianer wurde bereits drei Mal

wegen Tätlichkeiten

für insgesamt

18 Spiele gesperrt.

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