Sport : Hilfe vom Marktführer

Rummenigge will in den DFL-Aufsichtsrat

Benedikt Voigt

Berlin - Klick. „Ich denke, wir haben mit Jürgen Klinsmann eine sehr gute Lösung gefunden.“ Klick, klick. Werner Hackmann versucht im 14. Stock des Hotels Intercontinental sein abgebranntes Zigarillo neu zu entzünden. Es klappt nicht. Der Präsident des Ligaverbandes der 36 Fußball-Bundesligisten kämpft mit dem Feuerzeug und redet weiter. „Aber ich bleibe bei meiner Kritik an der Art und Weise, wie der DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder im ersten Anlauf die Nachfolge von Rudi Völler regeln wollte.“ Klick, jetzt brennt das Zigarillo.

Mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die heute in Berlin ihre Generalversammlung abhält, verhält es sich wie mit dem Zigarillo des Aufsichtsratspräsidenten. Die Flamme war erloschen, jetzt brennt sie wieder. Der DFL-Geschäftsführer, Wilfried Straub, drückt das so aus: „Alles, was an Rohrkrepierern kommen konnte, ist uns reingehagelt.“ Kurz nach der Gründung am 18. Dezember 2000 kämpfte die DFL wegen der Insolvenz des Kirch-Medienkonzerns um das Überleben einiger Vereine. Danach stritt sie mit dem FC Bayern über dessen Kirch-Geheimvertrag. Zuletzt musste sie zusehen, wie sich acht Bundesligisten zur G8-Gruppe zusammenschlossen. „Das darf in Zukunft nicht mehr vorkommen“, sagt Straub, „das ist das Aus für einen Verband.“

Wichtigster Programmpunkt der heutigen Versammlung ist eine Satzungsänderung, die den Aufsichtsrat der DFL von zwölf auf acht Mitglieder verkleinert. „Wir wollen ökonomischer und zeiteffizienter arbeiten können“, sagt Hackmann. Noch ein Grund: Die 24 Vereine, die keinen Vertreter in den Vorstand entsandt hatten, hatten sich gegenüber den zwölf Vorstandsvereinen benachteiligt gefühlt. Nun soll einerseits das Vorstandsgremium verkleinert werden. Andererseits sollen wichtige Kompetenzen an die Versammlung aller 36 Mitglieder zurückgegeben werden.

Interessant verspricht die Wahl des neuen Ligaverbandsvorstandes zu werden. Dieser fungiert auch als Aufsichtsrat der DFL. Als Präsident stellt sich Werner Hackmann für die nächsten drei Jahre zur Verfügung. Neben Präsident und Vizepräsident wählen alle 36 Vereine zwei weitere Vorstandsmitglieder gemeinsam. Außerdem bestimmen die Vereine der Ersten und Zweiten Liga jeweils zwei Vertreter aus ihren Reihen. Bei einer Probeabstimmung der Erstligaklubs stellte sich heraus, dass wohl neben Dortmunds Manager Michael Meier auch Karl-Heinz Rummenigge gewählt werden wird. Dabei hat der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern vor 15 Monaten zu den größten Kritikern der DFL gezählt.

„Ich kenne keinen in der Ersten und Zweiten Bundesliga, der mit der DFL zufrieden ist“, hat er gesagt. Damals strebte das Verhältnis des FC Bayern zur Liga einem Tiefpunkt zu. Die Bayern fühlten sich durch eine DFL-Pressemitteilung beleidigt. Inzwischen hat sich das Verhältnis gebessert. Hackmann begrüßt das Engagement des Kritikers: „Es ist für die Liga gut, wenn der Marktführer in den Gremien vertreten ist.“

Als Konsequenz aus den vielen öffentlichen Diskussionen will Hackmann die Kommunikation verbessern. In Zukunft sollen die Vereinsvertreter erst in Frankfurt anrufen, um sich über eine gemeinsame Position zu verständigen, bevor sie öffentlich ihre Meinung kundtun. Auch möchte er in einem monatlichen Rundschreiben die Vereine informieren. „Dann kann keiner sagen, er hätte etwas nicht erfahren.“

Straub sagt über die erste Legislaturperiode: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.“ Hackmann sieht das positiver. 670 Millionen Euro Schulden der Vereine stünden eine Milliarde Euro an Vermögenswerten gegenüber. Auch hätten die Klubs die Personalkosten um zwei Prozentpunkte auf 46 Prozent gesenkt. „Das ist schon eine erhebliche Leistung“, sagt Hackmann. In Italien lägen diese Kosten bei 90 Prozent. Ist nun also alles in Ordnung? „Wenn man auf der Intensivstation lag, kann man nur noch stärker werden“, sagt Hackmann – und zieht an seinem Zigarillo. Benedikt Voigt

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