Hilflos gegen Magdeburg : Freudloser Höhepunkt für die Füchse

Die Handballer der Füchse Berlin offenbaren bei der Heimniederlage gegen Magdeburg einige Schwächen. Sie hatten auch mit der ungewohnten Atmosphäre in der Arena am Ostbahnhof zu kämpfen. Diese sei eben kein Handballtempel, lautet die Erkenntnis.

Hartmut Moheit
Handball - Toyota Handball Bundesliga - 23. Spieltag - Saison 2008 2009 - 1. Quartal - Füchse Berlin - SC Magdeburg Gladiators am 03.03.2009 in der O2-World Arena in Berlin,
Spiel ohne Spaß. Trainer Jörn-Uwe Lommel (links) und Manager Bob Hanning sind sehr nachdenklich geworden.Foto: city-press

Berlin - Mit über den Kopf verschränkten Armen blickte Bob Hanning nicht nur einmal hinüber zur Wechselbank des Gegners. „Da hast du gesehen, dass dieses Team lebt und 14 Spieler für das gleiche Ziel und füreinander kämpfen“, beschreibt er nach einer schlaflosen Nacht, was ihm dabei so durch den Kopf gegangen ist in dem Bundesligaspiel seiner Füchse Berlin, das vom SC Magdeburg in allen Belangen dominiert wurde. Am Ende hieß es in der mit 14 800 Fans proppenvollen neuen Halle am Ostbahnhof 28:21 (12:6) für die Gäste. „Es ist nicht die Niederlage mit sieben Toren, die mich erschreckt hat, sondern dass wir uns diesmal als ein in Einzelteile zerfallenes Team präsentiert haben“, sagt der Füchse-Geschäftsführer.

Gesehen hat das jeder in der Halle, die für die Eisbären und Alba Berlin zur Heimat geworden ist, die für die Füchse wohl ungeeignet ist. „In der Max-Schmeling-Halle, wo stimmungsmäßig eine viel größere Nähe da ist, wäre einiges anders gelaufen“, sagt Jörn-Uwe Lommel. Die O2-World sei eine Eventhalle und kein Handballtempel. Doch in der Analyse des Spiels ist das für den Füchse-Trainer nur ein zweitrangiger Punkt. „Wir waren der Aufgabe nicht gewachsen“, sagt er ebenfalls, „die Hilflosigkeit hat mich am meisten enttäuscht.“ Erklärungen, warum das so ist, liefert Lommel ebenfalls: Vor allem die Kommunikation stimme nicht. „Fünf Spieler sprechen überhaupt nicht oder kaum Deutsch“, erzählt er. Dass Spieler wie Hany El Fakharany und Christian Caillat, die zum Saisonende das Team verlassen werden, nicht mehr höchstmotiviert spielen, lässt sich nicht leugnen. Für sich selbst lässt Lommel, der ebenfalls gehen wird, das nicht gelten. „Ich möchte die Saison natürlich optimal beenden, aber das Wort Europapokal kann ich nicht mehr hören.“ Es gelte vielmehr, den zehnten Tabellenplatz zu verteidigen.

Das allein ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe, obwohl der Vorsprung auf den Elften Großwallstadt nach Pluspunkten sieben Zähler beträgt. Beim TV Großwallstadt müssen die Füchse am 14. März antreten. Fehlen wird da möglicherweise Linksaußen Konrad Wilczynski. Gegen Magdeburg zog er sich eine Leistenverletzung zu. „Ich glaube nicht, dass die Leiste gebrochen ist, aber die genaue Untersuchung kommt erst noch“, sagt der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison. Auch ihm ist gegen Magdeburg aufgefallen, dass „wir als Einzelkämpfer und nicht als Team aufgetreten sind“. Im Training sei das anders, es ist ihm „rätselhaft, wie so eine schwache Leistung von uns abgeliefert werden konnte“. Wo war zum Beispiel die Präsenz und Dynamik von Michal Kubisztal, die ihn noch vor kurzem auszeichnete? Dass ihm möglicherweise sein polnischer Landsmann Bartlomiej Jaszka als Regisseur fehlt, der seit der WM in Kroatien mit einer Handverletzung ausfällt, erklärt einiges, aber nicht alles. „Jaszka kann ein Spiel enorm schnell machen, bringt viele Ideen ein“, sagt Lommel. Im Gegensatz dazu verlangsamere Kjetil Strand als Mittelmann die Aktionen. „Strand ist Killer und kein Lenker“, meint Lommel.

Bob Hanning kann seinem Negativerlebnis vom Magdeburg-Spiel schließlich doch etwas Positives abgewinnen: „Vor drei Jahren haben wir noch vor 300 Leuten gespielt, seitdem haben wir eine unglaubliche Entwicklung vollzogen.“ So gesehen habe das Spiel auch etwas Gutes gehabt: Es brachte wieder etwas Demut.

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