Sport : Hill erwartet gegen Maske Schachspiel mit Fäusten

MICHAEL ROSENTRITT

Showdown im Halbschwergewicht könnte für eher unkundiges Publikum zum Langweiler werden VON MICHAEL ROSENTRITT

München.Ob Virgil Hill letztlich nur wegen des Geldes nach München gekommen ist und seinen Titel der World Boxing Association (WBA) gegen Henry Maske aufs Spiel setzt kann und soll hier nicht geklärt werden.Fakt ist, daß dem Mann aus dem Präriestaat North Dakota eine fehlgeschlagene Investition in Bauland nachgesagt wird und daß es andererseits in keinem anderen Land der Erde im Halbschwergewicht fettere Börsen gibt als in Deutschland, zumindest seit den Maske-Rocchigiani-Kämpfen.Drei Millionen Deutsche Mark haben Hill, anders noch als 1993, als er das erste Kampfangebot aus dem Maske-Stall abgelehnt hatte, weich werden lassen.Wie weich, wird sich heute abend (21.50 Uhr/live auf RTL) zeigen.Hill hat sich dafür, darf man seinen Worten Glauben schenken, auf ein "Schachspiel mit Fäusten" vorbereitet."Wir sind beide Taktiker.Nicht die körperliche Überlegenheit wird zählen, sondern die bessere psychische Verfassung wird für den Kampfverlauf entscheidend sein.Dieser Kampf wird im Kopf entschieden", prophezeit Hill für den Showdown im Halbschwergewicht. Das amerikanische Fachmagazin "The Ring", auch als die Bibel des Boxens angesehen, schreibt vom "besten Kampf in diesem Limit der letzten 15 Jahre".Jean-Marcel Nartz, rechte Hand von Maskes Manager Sauerland, vermutet sogar einen klassischen "Langweiler für das Nicht-Fachpublikum.Und um bei dem Vergleich zum Denksportspiel zu bleiben, hat Nartz bereits die Rollen verteilt.Nartz: "Hill ist für mich der Bobby Fischer, Maske einer wie Anatoli Karpow." Nun ja, auch das ist Geschmacksache.Will man Hill eine gewisse Exzentrik und Extravaganz unterstellen, dann eher außerhalb des Rings.Einzig die Ehrenmitgliedschaft im Turtle-Mountain-Chippewa-Indianerstamm und sein Manager verleihen dem WBA-Weltmeister etwas Farbe.Bill Soerenson ist seit sechs Jahren republikanischer Bürgermeister von Hills Heimatstadt Bismarck.Zu sehr ähnelt Hill dem bis auf wenige Tage gleichaltrigen Frankfurter.19mal konnte der 1,80 große Familienvater (zwei Söhne, drei Töchter) seinen Titel in 22 WM-Kämpfen verteidigen.Das bedeutet Platz drei in der ewigen Bestenlisten hinter Joe Louis (25) und Larry Holmes (20).Lediglich die Niederlage gegen Thomas Hearns in Juni 1991 in Las Vegas unterbrach seine Regentschaft im Limit bis 79,378 kg.Auch Hill hat eine erfolgreiche Amateurkarriere hinter sich: 261 Kämpfe, elf Niederlagen.1984 verlor er im Olympischen Finale von Los Angeles gegen den Südkoreaner Jon Sup-Chin.Hill ist wie Maske Linkshänder, ohne aber in der Rechtsauslage zu boxen.Der auf die Normal- (Links)auslage umgeschulte Hill hat somit einen starken Vorteil: Seine linke Führungshand ist sehr stark.Für Maske spricht der Reichweitenvorteil, der sich aus der um zwölf Zentimeter größeren Körperhöhe ergibt.Auch Maske verfügt - passend zu seinem Stil - über eine gute Führhand.Beide verlassen sich gern auf diese Waffe, die gleichzeitig Schutz (Deckung) bietet.Weicht keiner vom gewohnten Stil ab, sähen wir 12x3 Minuten nur auf der Lauer liegende Boxer.Hill wird vermutlich Tempo machen und die Aktion suchen.Und genau das liegt Maske.Es sei denn, Hill kann ihn, wie Rocchigiani im ersten Kampf, in den offenen Schlagabtausch zwingen.Doch warum sollte Maske dieses Risiko eingehen? Bleibt Hill nach dem Kampf also nur die Börse...

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