Sport : Hinein in die Abhängigkeit!

Friedhard Teuffel über den Sport und seine Sponsoren

Friedhard Teuffel

Zwei große finanzielle Niederlagen hat der deutsche Sport in diesem Jahr erlitten. Die erste war der Ausstieg der Bayer AG aus der Förderung des olympischen Spitzensports. Der Konzern will künftig nur noch in den Fußball investieren, denn was aus der Förderung der kleineren Sportarten zurückkommt, ist Bayer zu wenig. Der Telekom wurde nun eher zu viel, was aus der Förderung des Radsports zurückkam. Zu viele schlechte Meldungen, deshalb gibt es kein Geld mehr für den Radsport.

Die Gründe für die Entscheidungen von Bayer und Telekom mögen unterschiedlich sein, das Ergebnis ist das gleiche: Im Wettbewerb der Sportarten um Sponsorengeld gewinnt am Ende immer der Fußball. Mit seinem volkstümlichen Unterhaltungswert wirbt der Fußball so viel Geld ein, dass er sich seine Sponsoren oft aussuchen kann. Die anderen dagegen müssen nehmen, was übrig bleibt.

Die Abhängigkeit der kleineren Disziplinen reicht so weit: Steigt ein Großsponsor ein, nimmt die ganze Sportart einen Aufschwung, steigt er wieder aus, bricht vieles sofort zusammen. Der Ausweg könnte kurioserweise sein, sich noch abhängiger von den Sponsoren zu machen. Sportverbände und Klubs müssen den Sponsoren künftig mehr Rechenschaft darüber ablegen, was sie mit ihrem Geld angestellt haben. Ob sie es tatsächlich für Nachwuchsförderung oder Trainingslager ausgegeben haben und nicht für Spritzkuren von Dopingärzten. Und dass sie alles dafür tun, Sportler vom Dopen abzuhalten. Es wäre ein neuer Pakt zwischen Sport und Wirtschaft, allerdings immer im Bewusstsein, dass der Sponsor in erster Linie Geld verdienen will – mit Erfolgen. Es gehört auch Glück dazu, einen Sponsor mit ausreichend Courage zu finden, sich bei Dopingvergehen gegen einen Sportler oder eine Mannschaft mit hohem Werbewert zu entscheiden.

Das Drohpotenzial der staatlichen Strafverfolgung wirkt offenbar noch nicht, die Sanktionen der Sportverbände ebenfalls nicht. Die Fans sehen auch gedopte Sportler noch als Idole an. Bleibt als Instanz die Wirtschaft. Wer hätte gedacht, dass das Kapital einmal dazu beitragen könnte, die Ethik des Sports zu schützen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben