Sport : Hinten gut und vorne besser

Mit starker Abwehr und neuen Stürmern will Hannover 96 in den Europapokal

Claus Vetter

Wer hat das Sagen im Verein? Ein lauter Mann, der für seine vielen Worte bekannt ist: Martin Kind. Der 61 Jahre alte Klubchef gerät mit seinem Trainer Ewald Lienen auch schon mal aneinander. Zum Beispiel dann, wenn er seine Zielsetzungen formuliert. Als Kind kürzlich vollkommen ironiefrei vom Erreichen der Champions League sprach, zeigte sich Lienen nicht beglückt. Manager Ilja Kaenzig schaffte es allerdings zuletzt, zwischen den beiden zu vermitteln. Nach außen hin wurde Harmonie vorgespielt – was nichts an Kinds Position hinter den Kulissen ändert.

Was hat sich verbessert? Hannover ist zielsicher die größte Schwachstelle im Team angegangen: Mit dem Rückkehrer Thomas Brdaric und dem Iraner Vahid Hashemian dürfte der Sturm deutlich gefährlicher werden als in der vergangenen Saison. 4,5 Millionen Euro hat Hannover für neue Spieler ausgegeben. Neben den beiden neuen Angreifern könnten der junge bulgarische Mittelfeldspieler Tschawdar Jankow, Hanno Balitsch und Michael Delura Verstärkungen sein.

Wie sicher ist der Job des Trainers? In den vergangenen Jahren galt Ewald Lienen stets als sicherer Kandidat für die erste Entlassung der Saison. Auch vergangene Saison war sein Job nach gutem Start und folgender Schwächeperiode bedroht, doch Lienen hat es geschafft. Dieses Jahr aber wird für den streitlustigen Coach kein einfaches werden. Bei den Fans ist er umstritten, außerdem setzt ihn Vereinsboss Kind mit seinen hohen Ansprüchen unter Druck.

Welche Taktik ist zu erwarten? Angesichts des verpflichteten Personals will Lienen von 4-3-3 auf 4-4-2 umstellen. Allerdings könnte die Unterstützung von Brdaric und Hashemian durch das Mittelfeld zum Problem werden. Nebojsa Krupnikovic kickt nach seiner guten Saison jetzt in Bielefeld, die Neuzugänge Jankow und Balitsch brauchen Integrationszeit. Dafür ist auf die Defensive um den sicheren Torwart Robert Enke Verlass: Nur die Bayern und Hertha BSC kassierten vergangene Saison weniger Gegentore.

Welche Platzierung ist möglich? Eine einstellige. Denn so gut wie in dieser Saison war Hannover 96 seit dem Aufstieg im Jahr 2002 noch nie besetzt. „Von Platz neun aufwärts“ – so lautet das Ziel, auf das sich Kind, Lienen und Kaenzig offiziell geeinigt haben.

Wer sind die Stars? Torwart Enke, Rückkehrer Brdaric und Hashemian sind Hannovers Sternchen. Der Star spielt in der Abwehr. Per Mertesackers dritte Saison in Hannover wird aber wohl gleichzeitig seine letzte werden. Längst wird der Nationalspieler für die nächste Saison unter anderem mit Werder Bremen in Verbindung gebracht.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Per Mertesacker ist durch seinen guten Auftritt beim Confed-Cup zur festen Abwehrgröße bei Bundestrainer Klinsmann geworden. Brdaric hat auch noch Aussichten auf eine WM-Teilnahme – allerdings wird er sich dann mit einem Platz auf der Auswechselbank begnügen müssen.

Wie sind die Fans? Sie sind Niedersachsen. Ihre Begeisterungsfähigkeit hält sich entsprechend in Grenzen, daran ändert auch die seit kurzem komplett fertiggestellte AWD-Arena nichts. Weniger als 65 Prozent Auslastung im eigenen Stadion erreichte vergangene Saison neben Hannover nur Hertha BSC.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

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