Sport : Hinten zittrig, vorne umständlich

Die Eisbären unterliegen Düsseldorf mit 2:5 und verlieren auch die Tabellenführung in der DEL.

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Kein Durchkommen. Zu selten konnten sich die Berliner, hier Vincent Schlenker, gegen Düsseldorf durchsetzen. Foto: Contrastphoto
Kein Durchkommen. Zu selten konnten sich die Berliner, hier Vincent Schlenker, gegen Düsseldorf durchsetzen. Foto: ContrastphotoFoto: contrastphoto

Berlin - Man kennt das aus dem Boxen: Angeschlagene Gegner sind oft die gefährlichsten. Sie kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Reserven und stemmen sich zäh gegen das drohende Aus. So ähnlich ist es auch bei der Düsseldorfer EG. Der Eishockey-Traditionsklub ist existenziell gefährdet, weil der Hauptsponsor nach dieser Saison abtrünnig wird. Und dementsprechend rennen die Angestellten im Moment nur so um ihren Job – und den Fortbestand des Vereins. Auch am Freitag, als die DEG den Eisbären Berlin einen Besuch abstattete und den Deutschen Meister dermaßen ärgerte, dass der durch das 2:5 (1:1, 0:1, 1:3) nicht nur das Spiel, sondern auch die Tabellenführung verlor.

Wie es laufen sollte an diesem Freitagabend, deutete Julian Talbot schon früh an. 16 Sekunden waren gespielt, da tauchte der Berliner Stürmer völlig allein gelassen vorm Düsseldorfer Tor auf. Von dieser Möglichkeit aber schien er selbst so überrumpelt zu sein, dass er das Kunststück fertig brachte, vorbeizuschießen. War das peinlich? Talbot jedenfalls packte sich vor lauter Unverständnis danach erst einmal selbst an den Kopf, viel Zeit zum Grübeln und Nachtrauern blieb ihm jedoch nicht. Denn es ging zügig zu auf dem Eis. Weil beide Mannschaften die Sache mit der Abwehrarbeit zunächst nicht übermäßig ernst nahmen und dem gegnerischen Tor losgelöst entgegenrannten, sahen die 14 200 Zuschauer in der ausverkauften Berliner Großarena ein munteres Spielchen mit vielen Chancen – vor allem auf Berliner Seite. Allein die Gastgeber wussten damit nicht allzu viel anzufangen. „Wir haben genug Torchancen bekommen, diese aber nicht gut genutzt“, sagte Angreifer Travis Mulock. Immerhin zielte in Darin Olver im ersten Drittel ein Berliner genau.

Dass sich die Eisbären ein wenig schludrig anstellten, durfte verwundern, sind die Düsseldorfer doch eigentlich so etwas wie ihr Lieblingsgegner. Fünfmal beförderten die Berliner die DEG in den zurückliegenden sieben Jahren aus den Play-offs, was beim Gegner einen mittelschweren Kater hinterließ. „Die Eisbären haben uns so oft die Tour versaut. Immer wieder. Sie haben für so viele Tränen gesorgt“, hatte Düsseldorfs Stürmer Patrick Reimer per „Bild“-Zeitung vor dem Spiel in Berlin wissen lassen. Und: „Im letzten DEG-Spiel gegen sie möchte ich deshalb unbedingt einen Sieg.“ Wie so viele andere verlässt auch Reimer den klammen Klub nach Saisonende und will in dieser Spielzeit wenigstens einmal Großes leisten. Wie in Berlin. Zwar hatten die Gäste wahrlich nicht mehr Chancen, aber sie wussten sie konsequenter zu nutzen. Erst traf Benjamin Gordon für sie, später Tyler Beechey.

Und wieder zeigte sich, wo so oft das Problem der Berliner liegt: So forsch sie in der Offensive sind, so nachlässig behandeln sie oft ihre Abwehr. Diesmal waren sie in diesem Mannschaftsteil darüber hinaus noch besonders geschwächt. Neben Dominik Bielke und Richie Regehr fiel auch Nationalspieler Constantin Braun aus, der wegen eines Sprunggelenkbruches auf unbestimmte Zeit fehlt und womöglich die Endrunde verpasst. Ohne Braun wirkten die Eisbären hinten zittrig, und vorne agierten sie ein ums andere Mal zu umständlich. Erst fünf Minuten vor dem Ende gelang Tyson Mulock der Ausgleich. Dass es trotzdem nicht reichte für die Eisbären, lag am allerletzten Aufbäumen der Düsseldorfer EG. Patrick Reimer, Andrew Hedlund und Connor James trafen zum 2:5-Endstand.

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