Sport : Hinter den Stars

Dem deutschen Handball fehlen die Größen

Hartmut Moheit

Berlin - Als gestern die Handball-Nationalspieler nach und nach in Konstanz eintrafen, hatte Heiner Brand zunächst nur eine Sorge: „Hoffentlich gibt es keine weiteren Verletzten.“ Für die am 23. Januar in Tunesien beginnende Weltmeisterschaft musste er bereits zuvor schon auf die ihm verbliebenen Routiniers Daniel Stephan, Markus Baur, Henning Fritz und Jan-Olaf Immel verzichten. Und die Stars Stefan Kretzschmar, Christian Schwarzer, Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen sind nach dem Gewinn der Silbermedaille in Athen zurückgetreten. In der Bundesliga gibt es für sie keinen derzeit gleichwertigen Ersatz. Die 18 Spieltage haben gezeigt, dass es Talente schwer haben, sich gegen die vielen ausländischen Stars durchzusetzen. „Die Situation mit den Ausländern auf wichtigen Positionen in den Klubs hat sich nicht geändert“, sagt Heiner Brand dazu. Und nicht ein Wort mehr.

Einer von den wenigen, die es geschafft haben und nunmehr im WM- Team große Verantwortung tragen müssen, ist Christian Zeitz vom THW Kiel, der besten Mannschaft schon zur Saison-Halbzeit. Beim 34:31 gegen den TBV Lemgo unterstrich er das mit sechs Treffern. Damit war er der einzige Deutsche bei Kiel, dem Tore gelangen. Die restlichen warfen Schweden, ein Norweger und ein Slowene. Das Beispiel Kiel zeigt auch, was negativ für die Nationalmannschaft ist – weil Talente hochbezahlten Stars die Einsatzzeiten überlassen müssen – ist gut für die Klubs. Dass es eine hochklassige und spannende Meisterschaft gibt, in der nach dem ersten Rückrundenspieltag Kiel nur fünf Punkte vor der HSG Nordhorn liegt, die Fünfte ist, basiert auf dem Zulauf vieler Stars.

Die Lemgoer, vor zwei Jahren noch Meister und in der vorigen Saison auf Rang drei, bestanden gegen diese Übermacht auch deshalb nicht, weil sie sich nicht adäquat verstärken konnten. In einem sehenswerten Spiel waren sie bereits am vergangenen Mittwoch auch Flensburg-Handewitt mit 29:31 unterlegen. Im vorläufigen WM-Aufgebot befindet sich kein Flensburger. Aber beide Mannschaften, Kiel und Flensburg begeistern ihre Fans und stehen zudem auch im Viertelfinale der Champions League. Nicht nur das, die beiden Spitzenvereine gelten als wirtschaftlich gesund.

Die beste Mischung aus Top-Handballern anderer Länder und der Förderung eigener Talente kann der Tabellendritte, der SC Magdeburg, aufweisen. Der Ex-Meister spielt international jedoch nur im EHF-Cup. In Konstanz begrüßte Brand gleich fünf Magdeburger. Im Länderspiel am 8. Januar gegen die Schweiz sollen sie eine Chance bekommen.

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