Sport : Hintergrund: Die neuen Regeln für die Formel 1

Durch die dramatischsten Veränderungen im Reglement seit Jahren sollen die Kosten gesenkt, die Sicherheit erhöht, die Geschwindigkeit gedrosselt und die Spannung gesteigert werden.

Berlin (04.03.2005, 11:55 Uhr) - Die Formel 1 soll wieder spannend werden - diesen Satz hört vom Motorsport-Weltverband Fia seit Jahren, Realität wurde er bislang nicht. Überholmanöver blieben die Ausnahme, oft genug entschied sich das Rennen in der Boxengasse. Mit der Saison 2005 könnte sich das ändern, denn die Fia hat die umfangreichste Regeländerung seit zehn Jahren durchgesetzt. Ein Überblick:

Reifen: Für das Qualifikationstraining und das Rennen steht von Samstagnachmittag an nur ein Satz Reifen zur Verfügung. Bei den Boxenstopps darf nur noch getankt werden. Die Pneus müssen somit etwa 350 km halten. Die Reifen bestehen aus härteren Mischungen, die Haftung wird dadurch geringer. Im freien Training am Freitag und am Samstagvormittag können die Fahrer zwei Reifenvarianten testen und müssen sich danach auf eine festlegen. Wird ein Pneu durch Fremdeinwirkung beschädigt, darf er nur durch einen schon im Training verwendeten Reifen ersetzt werden.

Die spektakulären Reifenwechsel entfallen. Dafür kann es zum Ende des Rennens interessant werden, wenn die Pneus abgefahren sind. «Wir werden im Rennen mehr Überholmanöver sehen, und das Rennende wird aufregend werden - wenn nicht gar aufregender als der Start des Rennens», glaubt Ferraris Technischer Direktor Ross Brawn. Die neue Regel hat Auswirkungen auf die Rennstrategie - die Fahrer müssen schonender mit den Reifen umgehen.

Chassis: Der Abtrieb der Wagen wurde durch starke aerodynamische Einschränkungen deutlich reduziert. Hintergrund der Regeländerung war der Umstand, dass die bisherige Aerodynamik-Eigenschaften das Überholen fast unmöglich machten: Sobald ein Pilot hinter einem anderen Fahrzeug fuhr, wurde die Aerodynamik so schlecht, dass er enorm an Geschwindigkeit verlor. Jetzt wurde der Unterboden im Bereich vor den Hinterrädern gekappt. Der dadurch entstandene Abtriebverlust soll bis zu 30 Prozent betragen. Mittlerweile haben die Techniker in den Teams schon die Hälfte des Geschwindigkeitsverlustes wieder aufgeholt.

Motor: Die Zehnzylinder-Motoren mit drei Litern Hubraum müssen zwei Grand-Prix-Wochenenden lang halten. Die Laufleistung erhöht sich damit auf rund 1500 km. Sollte das Triebwerk wegen eines technischen Defektes gewechselt werden müssen, wird der Pilot in der Startaufstellung um zehn Plätze zurückgesetzt. Nach dem Rennen werden die Motoren bis zum nächsten Grand Prix versiegelt. «Die Zielsetzung lautete: So standfest wie nötig, aber so leistungsstark wie möglich», beschrieb BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen die Anforderungen an die Ingenieure.

Sollte ein Motor im Rennen ausfallen, kann der Fahrer zum nächsten Lauf wieder mit einem neuen Aggregat antreten, ohne bestraft zu werden. Der Wagen könnte also einfach abgestellt werden, um so im nächsten Grand Prix mit einem frischen Motor zu starten. Zudem werden die Rennställe in den Trainingseinheiten am Freitag ihre Autos schonen. «Ich wäre sehr überrascht, wenn die Top-Teams mehr als zehn Runden fahren», glaubt McLaren-Teamchef Ron Dennis.

Qualifying: Beim ersten Qualifying am Samstag starten die Fahrer nach den Platzierungen des letzten Rennens, wobei der Schnellste als Letzter auf die Strecke geht. Das erste Einzelzeitfahren wird mit fast leerem Tank absolviert. Der zweiten Qualifikation am Sonntagmorgen liegen die Ergebnisse des ersten Zeittrainings zu Grunde. Beide Rundenzeiten werden addiert und ergeben die Startposition. Nach dem zweiten Einzeitfahren dürfen die Wagen nicht mehr nachgetankt werden. (tso) ()

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