Sport : Hinterher geguckt

Hertha BSC verteidigt gegen unterschätzte Bielefelder mit allen Mannschaftsteilen zu schwach

Mathias Klappenbach[Bielefeld],Ingo Schmidt-T

Am gestrigen Morgen flog Falko Götz nach Kopenhagen. Von dort fuhr der Trainer von Hertha BSC mit einem Leihwagen weiter nach Halmstad, um Herthas nächsten Gegner im Uefa-Pokal, Halmstads BK, in einem Ligaspiel zu beobachten. Die Reise war schon länger geplant. Vielleicht hätte Falko Götz den Flug nicht gebucht und am Sonntag lieber mit seiner Mannschaft gearbeitet, wenn er vorher bereits gewusst hätte, dass Hertha nach einer desolaten Leistung im Fußball-Bundesligaspiel 0:3 bei Arminia Bielefeld untergehen würde. Doch es passte ins Bild: Die kleine Stadt Bielefeld war eben nur als Durchgangsstation eingeplant.

Vor der Begegnung hatten die Berliner keinen Zweifel daran aufkommen lassen, wer das Spiel gewinnen würde. „Wir sind auf jeder Position besser besetzt“, hatte Falko Götz gesagt. Auch Manager Dieter Hoeneß hatte ausschließlich von einem Sieg gesprochen. Und vielleicht war die zu lässige Einstellung Herthas ein Produkt dieser Siegessicherheit. Denn am meisten mangelte es den Berlinern am Samstagnachmittag an der Bereitschaft die unbequeme defensive Arbeit zu verrichten – ein Indiz dafür, dass sie ungenügend motiviert waren. „Wir waren in der Verteidigung, im Angriff und im Mittelfeld gleich schlecht“, sagte Josip Simunic. Der Verteidiger hatte Recht: Nicht nur die überraschend schwache Abwehr, auch die anderen Mannschaftsteile setzten sich defensiv zu wenig ein. Die beiden ersten Tore der Bielefelder erzielten Heiko Westermann und Marcio Borges; die beiden Innenverteidiger hätten nicht von Herthas Abwehrspielern gedeckt werden müssen, sondern von Spielern aus dem Mittelfeld oder dem Sturm. „Da gab es klare Zuordnungen“, sagte Trainer Falko Götz, ohne allerdings ins Detail gehen zu wollen.

„In meinem Kopf waren die drei Punkte in Bielefeld schon fest eingeplant“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Gilberto am Sonntag. Der Brasilianer musste Anfang der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden, weil er sich das Außenband im rechten Knöchel anriss – er wird etwa drei Wochen ausfallen. Gilberto fand, dass seine Mannschaft „müde im Kopf gewirkt hat. Aber das müssen wir jetzt einfach schnell vergessen.“ Ähnlich äußerten sich viele seine Kollegen. „Wir müssen uns jetzt auf das Spiel in Halmstad konzentrieren“, sagte zum Beispiel Stürmer Nando Rafael gestern. Manager Dieter Hoeneß versuchte die Begegnung sogar noch am Samstagabend abzuhaken: „Wir haben ja gar nicht so viel Zeit, uns mit der Niederlage zu beschäftigen. Am Donnerstag wartet die nächste Aufgabe auf uns.“

Das schnelle Abhandeln der Niederlage erstaunt etwas, denn dafür traten die Berliner, nach eigener Definition eine Spitzenmannschaft, zu schwach bei den Bielefeldern auf, die nach eigener Definition gegen den Abstieg spielen. Trainer Falko Götz versprach immerhin, „die Begegnung allgemein auf jeden Fall noch zu besprechen“ und war froh, „dass ich die Mannschaft nach diesem Spiel 14 Tage zusammen habe“. Götz hat sein Team ohnehin nicht außerordentlich schwach gesehen. „Wir hätten auch gut 1:0 in Führung gehen können, zudem hatten wir 60 bis 65 Prozent Ballbesitz.“

Christian Fiedler bewertete das Spiel kritischer: „Die Bielefelder waren uns in allen Belangen überlegen“, sagte der Torhüter, der als einer der wenigen eine präzisere Fehleranalyse wagte. „Die Mannschaftsteile haben nicht harmoniert, die Anbindungen zwischen Abwehr, Mittelfeld und Sturm waren nicht da. Daran müssen wir arbeiten.“ Herthas Mittelfeldspieler Yildiray Bastürk versucht, seine Mannschaft nach den Niederlage gegen Bremen (1:2) und Bielefeld zu warnen. „Wir müssen jetzt gut aufpassen, dass wir nicht in eine Niederlagenserie fallen“, sagt Bastürk.

Bei einem Sieg mit zwei Toren Unterschied wären die Berliner auf den vierten Platz der Tabelle vorgerückt, jetzt stehen sie auf Rang sieben. „Mich ärgert, dass wir eine gute Chance verpasst haben, uns in der Tabelle oben festzusetzen“, sagte Manager Dieter Hoeneß.

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