Historie : Späte Tore sind eine deutsche Tradition

Dass es die Deutschen waren, die in allerletzter Minute noch einen draufsetzen konnten gegen die Türkei – das ist typisch. Ein Blick in die Fußballhistorie zeigt das.

Holger Wild

Mag sein, dass es in diesem Turnier die Türken waren, die in letzter Minute immer noch einen Treffer setzen konnten. Aber dass es die Deutschen waren, die in allerletzter Minute noch einen draufsetzen konnten – das ist typisch. Immer wieder hat die Mannschaften bei großen Turnieren spät und damit entscheidend zuschlagen. Schon das „Wunder von Bern“ gehört dazu – Rahns Treffer zum 3:2 fiel in der 84. Minute. Bei der WM 2006 dann war es Neuville, der in der Nachspielzeit gegen Polen traf und das Land in Siegestaumel stürzte. Derselbe Neuville hatte Deutschland schon 2002 ins Viertelfinale geschossen (88. Minute, 1:0). In Mexiko 1970 gelang Seeler im Viertelfinale mit dem Hinterkopf der Ausgleich (82. Minute – bis zur 69. hatte England 2:0 geführt), die Verlängerung brachte den Sieg. Das Halbfinale gegen Italien, das „Jahrhundertspiel“, entfaltete seine ganze Dramatik erst, nachdem Schnellinger in der 90. zum 1:1 getroffen hatte (die Verlängerung ging allerdings 3:4 verloren). In den Annalen auch: Häßlers Freistoß gegen die GUS zum 1:1 in letzter Minute, der letztlich das Halbfinale bei der EM ’92 bedeutete, oder Hrubeschs Kopfball zum EM-Sieg 1980 (89. Minute).

Und was sagt ein deutscher Spieler anschließend? „Wir haben große Moral gezeigt.“ Anders gesagt, jenen Siegeswillen, der die Deutschen so gefürchtet macht.

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