Sport : Historische Hoffnung

Immer wieder hat die deutsche Mannschaft in entscheidenden Momenten Stärke gezeigt

Mathias Klappenbach

Berlin - Wenn es darauf ankommt, kann man sich auf die deutsche Nationalmannschaft verlassen. Obwohl die Auswahl des DFB keinen überragenden Fußball spielt, gewinnt sie die wichtigen Spiele trotzdem. Irgendwie. So geht das Klischee, und die Beweise dafür sind zahlreicher als jene, die es widerlegen. Wenn nichts anderes mehr hilft, kann die so genannte „Turniermannschaft“ immer noch auf diese besondere Fähigkeit und den damit verbundenen Respekt der Gegner setzen. Sicher, viermal ging ein WM-Finale verloren, aber wer stand schon wie der dreimalige Weltmeister Deutschland siebenmal im Endspiel? Nur Brasilien.

Dieses einzigartige Image liegt nicht nur in den Triumphen bei den Weltmeisterschaften 1954 und 1974 begründet, als die Deutschen nach einem Rückstand gegen die Favoriten aus Ungarn und den Niederlanden noch siegten. Die Fähigkeit, im entscheidenden Moment Stärke zu demonstrieren, kann man schon daran erkennen, dass Deutschland – bei Weltmeisterschaften seit 1954 und bei Europameisterschaften seit 1972 – immer dabei ist. Das gilt hierzulande als eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Keine andere Nation hat neunmal an einer EM teilgenommen, Italien und Frankreich waren nur je sechsmal dabei.

1984 drohte das deutsche Team nach einem blamablen 0:1 gegen Nordirland schon in der Qualifikation zu scheitern. Vier Tage später stand es gegen Albanien nach 80 Minuten 1:1. Die Nerven lagen blank, Deutschland war draußen. Bis der Kölner Gerhard Strack das erste und letzte Länderspieltor seiner Karriere erzielte. Zwar schied das Team beim Turnier durch den Siegtreffer des Spaniers Maceda in der 90. Minute des letzten Gruppenspiels aus, doch dieser ungewöhnliche Betriebsunfall war neben dem Debakel von 2000 das einzige Mal, dass Deutschland bei einer EM nicht mindestens das Halbfinale erreichte. Dreimal wurde ein EM-Finale gewonnen, 1980 gegen Belgien durch ein Tor von Horst Hrubesch eine Minute vor Schluss.

Hrubesch schoss auch in einem anderen legendären Spiel, das den Respekt vor den Deutschen mitbegründete, das entscheidende Tor. Er verwandelte im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich den letzten Elfmeter. Deutschland hatte in der Verlängerung 1:3 zurückgelegen, ehe der eingewechselte Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Fischer per spektakulärem Fallrückzieher trafen. Als Ulli Stielike einen Elfmeter verschossen hatte, hielt Toni Schumacher eben zwei. Auch ihre anderen beiden Elfmeterschießen bei Weltmeisterschaften, 1986 im Viertelfinale gegen Gastgeber Mexiko und 1990 im Halbfinale gegen England, hat die deutsche Mannschaft gewonnen. 1990 wurde Deutschland Weltmeister, obwohl es beinahe gar nicht dabei gewesen wäre. Erst durch den 2:1-Siegtreffer von Thomas Häßler im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Wales konnte das Team überhaupt nach Italien fahren.

Auch bei der WM 2002 war die Teilnahme gefährdet. Deutschland war in der Qualifikationsgruppe nach dem historischen 1:5-Debakel gegen England nur Zweiter geworden, das erste Relegationsspiel in der Ukraine endete mit einem unbefriedigenden 1:1. Die Fußballnation hatte große Angst, die WM zu verpassen. Doch im Rückspiel stand es nach einer Viertelstunde 3:0 für Deutschland, am Ende 4:1. Bei der WM verlor Deutschland dann erst das Finale gegen Brasilien.

Auch beim letzten großen Titel bei der EM 1996 sah es im Endspiel lange nicht gut aus. Deutschland lag 0:1 zurück, ehe dem gerade eingewechselten Oliver Bierhoff der Ausgleich gelang. In der Verlängerung schoss er dann das Golden Goal. Tschechien war geschlagen.

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