Sport : Historische Niederlage im Eisschnelllauf

Deutsche Frauen bei der EM ohne Medaillen

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Klobenstein - Ohne die pausierende Anni Friesinger haben die deutschen Eisschnellläuferinnen in Klobenstein (Südtirol) ihre bitterste Stunde in der Geschichte der Europameisterschaften erlebt und sind erstmals seit 33 Jahren ohne Medaille geblieben. Beim Sensationserfolg der Tschechin Martina Sablikova bei der Mehrkampf-EM blieben für Daniela Anschütz-Thoms und Claudia Pechstein nur die Plätze vier und fünf. Dagegen überraschte Tobias Schneider (Berlin), der als Siebter das beste Resultat deutscher Herren seit acht Jahren erzielte. Über 10 000 Meter wurde der Berliner in 1:34,14 sogar Fünfter. Schneider gilt als Aufsteiger der Saison in Deutschland. Den Mehrkampf-Titel holte sich erstmals Sven Kramer. Der 20-jährige Niederländer düpierte am Sonntag mit Freiluft-Weltrekorden über 10 000 Meter (13:10,44) und im Vierkampf (148,800 Punkte) Titelverteidiger Enrico Fabris.

Die Erfurter Team-Olympiasiegerin Anschütz-Thoms wurde zwar erstmals beste Deutsche bei einem internationalen Spitzenwettbewerb, trotzdem war sie aufgrund der Ausgrenzung ihres Trainers Stephan Gneupel erbost. „Wenn die Streitigkeiten mit dem Verband so weitergehen, muss ich mir sehr überlegen, ob ich noch über die Saison hinaus weitermache“, sagte sie. „Lust hätte ich schon. Aber nicht unter den Konditionen, wie der Verband sich das vorstellt.“ Gneupel ist seit der Strukturreform Diagnosetrainer bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft und darf daher nicht zu Titelkämpfen reisen. Eine Medaille vergab die Thüringerin durch einen Kufendefekt im 500-Meter-Lauf. Über 1500 Meter überraschte sie mit Platz drei (1:58,08) und blieb über 3000 Meter in 4:08,28 als Vierte sogar unter dem alten Freiluftweltrekord von Gunda Niemann.

Für Titelverteidigerin Claudia Pechstein aus Berlin war Platz fünf eine Riesenenttäuschung. „Ich bin sauer auf mich“, sagte sie, nachdem sie selbst über ihre Spezialstrecken über 3000 (6.) und 5000 Meter (3.) nicht überzeugen konnte. Die Berlinerin verpasste bei ihrer 15. EM ihre zehnte Medaille. „Vielleicht haben wir alle in den vergangenen Jahren zu sehr verwöhnt“, sagte sie..

Die Siegerin Sablikova entriss mit dem 5000-Meter-Freiluft-Weltrekord in 6:58,45 Minuten der Favoritin Ireen Wüst (Niederlande) den sicher geglaubten Titel. Wüst unterlag mit lediglich 0,032 Punkten Rückstand der Tschechin, die auch über 3000 Meter (4:03,52) und im Vierkampf mit 162,954 Punkten Weltbestmarken erreichte. dpa

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