Hitzfeld : Nur nicht als lahme Ente gerupft werden

Ottmar Hitzfeld muss sich beim FC Bayern gegen den drohenden Verlust seiner Autorität wehren. Sonst könnte sein Abschied früher kommen als von ihm geplant.

Friedhard Teuffel
Hitzfeld bei Bayern
Strenger Blick Seinen Spielern will Ottmar Hitzfeld nichts durchgehen lassen. -ddp

Berlin - Es könnte eine grandiose Abschiedstournee werden. Oder eine tragische Trennung. Kaum hat Ottmar Hitzfeld den 30. Juni 2008 als seinen letzten Arbeitstag beim FC Bayern München bekannt gegeben, muss er jedenfalls gegen einen Vorwurf kämpfen: zur lahmen Ente zu werden. In jeder Übungseinheit, in jedem Spiel wird sich der Trainer jetzt gegen den drohenden Verlust seiner Autorität stemmen müssen – und eine möglicherweise vorzeitige Ablösung noch vor dem letzten Spieltag.

Eine erste Maßnahme ist dem Mathematiklehrer dazu schon vor dem Trainingsauftakt am Montag eingefallen: Der Klub werde „einen Verhaltenskodex aufstellen, an dem sich die Spieler zu orientieren haben. Sie müssen wissen, was geht und was nicht“, sagte Hitzfeld dem „Kicker“. „Jeder muss sich an die Regeln halten, dann geht es.“

Dass ihm die Spieler auf der Nase herumtanzen, dagegen spricht neben Hitzfelds pädagogischer Vorbildung auch, dass er immer noch den Ruf eines Erfolgstrainers genießt. Er hat schließlich viel gewonnen: Meisterschaft, DFB-Pokal und sogar die Champions League. Das unterscheidet ihn von anderen Bundesligatrainern, deren Abschied zum Saisonende bereits in der Winterpause feststand und die dann doch vorzeitig gehen mussten: Jürgen Röber etwa 2002 bei Hertha BSC. Auch wird sich zumindest Uli Hoeneß darum bemühen, Hitzfeld bis zum Schluss mit Anstand zu behandeln. Schon aus Dankbarkeit dafür, dass der Trainer den Klub nach der Entlassung Felix Magaths aus einer misslichen Lage befreit hatte. Bis zum Montag befindet sich die Klubführung aber noch im Urlaub und spricht erst einmal nicht.

Die Suche des FC Bayern nach einem neuen Trainer könnte Hitzfeld nun gerade recht kommen, sie lenkt von ihm ab. Vor allem aber ist Hitzfeld mit dem Klub dabei, alle vorgegebenen Ziele zu erfüllen. Tabellenführung in der Bundesliga, Weiterkommen im Uefa-Cup und DFB-Pokal – noch haben die Bayern die Möglichkeit, die Saison mit einem Triple abzuschließen.

Die Leistungen allerdings, das weiß auch Hitzfeld, haben zuletzt nachgelassen. „Der Start war märchenhaft, danach hat uns sicher etwas die Lockerheit gefehlt“, sagt der 58 Jahre alte Trainer. Und das 6:0 gegen Saloniki im Dezember im Uefa-Cup war eben auch nur ein Spiel. Außerdem zeigen einige Mannschaftsmitglieder, dass sie den Zusammenhalt nicht so wichtig nehmen, sei es Kapitän Oliver Kahn oder Willy Sagnol. Noch mehr hat Hitzfeld allerdings unter dem Angriff des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gelitten. Auch wenn Hitzfeld die Auseinandersetzung mit Rummenigge als geklärt erachtet, hängt sie ihm bis heute nach. Er wirkt angeschlagen, das Münchner Medientheater belastet ihn offenbar zunehmend. Sein Abschied zum Saisonende könnte von Kommentatoren als Grund für jede kommende Niederlage herangezogen werden. Hitzfelds Wunsch, Schweizer Nationaltrainer zu werden, wirkt da wie die Sehnsucht nach einer harmonischeren Fußballwelt.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben