Sport : Hitzfeld siegt, von Heesen geht

Nach dem 1:0 des FC Bayern gibt Bielefelds Trainer auf – Geideck übernimmt

Klaus Raab[München]

Es ist üblich, dass nach einem Bundesligaspiel ein Spieler jedes Vereins eine Dopingprobe abgibt. Beim FC Bayern München war das Andreas Görlitz, was eine Besonderheit war, da Görlitz nach langer Verletzung zum ersten Mal wieder gespielt hatte. Für Arminia Bielefeld war Rüdiger Kauf ausgewählt worden, und auch hier gab es eine Besonderheit: Von der Dopingkontrolle, die eigentlich direkt nach dem Spiel abgegeben wird, so dass sich ein Spieler, sollte er gedopt sein, nicht noch präparieren kann, wurde Kauf zurück in die Kabine zitiert. Dort erfuhr er, was sein Trainer Thomas von Heesen kurz darauf auch öffentlich verkündete: Die gestrige 0:1-Niederlage in München war von Heesens letztes Spiel für Bielefeld. „Ich habe mich schon im Vorfeld mit dem Verein einvernehmlich darauf verständigt, meinen Vertrag aufzulösen“, sagte der 45-Jährige. Sein bisheriger Assistent Frank Geideck leitet heute erstmals das Training in Bielefeld.

Der Grund für von Heesens Rücktritt ist allerdings nicht die Niederlage in München, wo seine Mannschaft sich gegen den Tabellenvierten zuvor durch eine eindrucksvolle Demonstration von Harmlosigkeit hervorgetan hatte. Der Grund habe, so von Heesen, im Umfeld gelegen. Kurz vor dem Rückrundenstart hatte von Heesen, der schon mit Dortmund und dem HSV in Verbindung gebracht worden war, erklärt, das Angebot der Arminia zur Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages nicht annehmen zu wollen. Schnell war geklärt worden, dass Geideck ihm zur nächsten Saison nachfolgen sollte – doch die Spekulationen und Diskussionen, die von Heesens Absage ausgelöst hatte, hatten nicht geendet. „Es gab in den letzten Tagen zu viel Unruhe“, sagte er, „nicht in der Mannschaft, aber im Umfeld, und das wäre auch für die Mannschaft schädlich gewesen.“

Das Fußballspiel selbst, das zuvor stattgefunden hatte, geriet so nach Abpfiff ein wenig in den Hintergrund, was aber kein Grund für zu große Trauer war. 69000 Zuschauer hatten ein mittelmäßiges Spiel gesehen, in dem die Bayern immer überlegen waren, aber auch immer noch so viele Abstimmungsfehler machten, dass sie sich manchmal selbst überlisteten. Dabei hatte es gerade 13 Minuten und 30 Sekunden gedauert, bis die Fans des FC Bayern München einen neuen Publikumsliebling gekürt hatten: „Ottmar Hitzfeld“, sangen sie, und dass er „der beste Mann“ sei. Das lag daran, dass neben Makaays Tor, das nach Zuspiel von Lucio, aber unter Mithilfe von Bielefelds Heiko Westermann gefallen war, noch ein zweites Tor gefallen war. Hasan Salihamidzic schob ein, nachdem Ali Karimi und der insgesamt glücklose, aber stets auffällige Lukas Podolski die Abwehr ausgespielt hatten. Nur zählte das Tor nicht, der Linienrichter hatte Abseits gesehen, womit er falsch lag. „Das 2:0 hätte den Knoten zum Platzen gebracht“, sagte Ottmar Hitzfeld, der sein erstes Spiel als Trainer in der Allianz-Arena erlebt hatte. Er platzte nicht, Sieg aber bleibe Sieg, sagte Hitzfeld. „Das lässt einen ruhiger schlafen.“

Arminia Bielefeld dagegen hat nach wie vor nur drei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, und vier der fünf nächsten Gegner sind direkte Konkurrenten. „Wir wollten für diese Spiele eine Lösung finden, denn die sind für den Verein elementar wichtig“, sagte von Heesen. Wäre Ioannis Masmanidis vier Minuten vor Spielende bei der ersten wirklichen Chance der Bielefelder mit seinem Schuss aus 18 Metern tatsächlich noch der ersehnte Ausgleich gelungen, hätte das am Trainerwechsel daher auch nichts mehr geändert. Von Heesen begründete das noch einmal: „Die Jungs können in dieser Situation einfach keine Unruhe gebrauchen.“

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