Sport : Hoch die Tassen – auf null Punkte

Bei der Eishockey-WM versagt bisher ausgerechnet der Gastgeber Slowakei, doch die Fans lassen sich in ihrer Party-Stimmung davon nicht beeinflussen

Ungesunde Härte. Die WM-Vorrunde hat den Slowaken weh getan, hier bekommt Peter Podhradsky eine russische Faust zu spüren. Foto: AFP
Ungesunde Härte. Die WM-Vorrunde hat den Slowaken weh getan, hier bekommt Peter Podhradsky eine russische Faust zu spüren. Foto:...Foto: AFP

Bratislava - Die Slowaken lassen sich die Eishockey-Party nicht vermasseln. Trotz der schwachen Auftritte der Heim-Mannschaft herrscht Volksfeststimmung – vor allem in der Hauptstadt Bratislava mit Fans aus der ganzen Welt, Public Viewing allerorten und einer stets ausverkauften Eishalle. Wenn da nur nicht das sportliche Abschneiden der eigenen Helden wäre: Nur ein Sieg in der Vorrunde, null Punkte Polster in der nächsten Turnier-Phase – den Weg zum ersehnten zweiten WM-Titel nach 2002 hatten sich die Slowaken ganz anders vorgestellt. Dennoch üben sich Trainer, Spieler und die Presse in Zweckoptimismus.

„Ich fühle mich gut“, sagte Nationalcoach Glen Hanlon nach der 3:4-Niederlage gegen Russland. Umringt von Journalisten kaute der Kanadier scheinbar entspannt auf seinem Kaugummi, die Hände in den Hosentaschen, und meinte: „Wir werden stark wiederkommen.“ Aber NHL-Profi Milan Jurcina gab zu: „Das wird eine schwere Aufgabe.“

Dabei bauen die heimischen Cracks weiter auf die Unterstützung der Fans – aus gutem Grund: Auch nach der Schlappe gegen Russland wich die Trauer in der Halle, auf den Fanfesten und in den Bars und Kneipen der allgemeinen Partystimmung. Die „Slovensko“-Wimpel an den Autos bleiben dran, die Trikots der Stars wie Marian Hossa oder Miroslav Satan wandern nicht zurück in den Kleiderschrank.

Die Erwartungshaltung bei den eishockeyverrückten Slowaken ist groß, ebenso der Druck auf die Spieler. Diese wiegeln aber ab. „In dem Moment, in dem der Puck eingeworfen wird, spielt das keine Rolle“, sagte Stürmer Branko Radivojevic. Das klingt bei Lubomir Visnovsky schon anders: „Dieses großartige Publikum hätte sich unseren Sieg verdient. Aber vielleicht gerade weil wir zu viel wollten, hat sich das Glück von uns abgewendet.“

Immerhin hat die Mannschaft neben den Fans auch die Medien noch auf ihrer Seite. „Wir haben in Ehren verloren“, schrieb die Tageszeitung „Sme“ am Mittwoch beschwichtigend. Das Fachblatt „Sport“ forderte nüchtern: „Jetzt müssen wir wirklich alles gewinnen.“

Der Star Hossa kündigte an: „Wir sind ohne Punkt geblieben. Aber das lässt sich nicht mehr ändern. Jetzt dürfen wir nicht die Köpfe hängen lassen, das Turnier geht weiter. Wir werden weiter kämpfen.“ Genau das wollen die Fans in der Slowakei hören. dpa

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