Sport : Hoch hinaus

Deutschlands Basketballer besiegen Spanien 74:73 und stehen im EM-Finale

Benedikt Voigt[Belgrad]

Rund zehn Stunden vor dem Sprungball war Marko Pesic pessimistisch. „Wir haben keine Chance, wir sind schlecht drauf“, sagte der deutsche Basketball-Nationalspieler – dann musste er grinsen. „War nur ein Scherz.“ Am späten Samstagabend zeigte sich, dass er tatsächlich nur gewitzelt hatte. Die deutsche Mannschaft steht sensationell im Finale der Basketball-Europameisterschaft in Serbien- Montenegro. Sie siegte zum fünften Mal hintereinander und bezwang Spanien im Halbfinale 74:73 (34:35). Dirk Nowitzki war mit 27Punkten bester Werfer.

Damit hat die deutsche Mannschaft zum zweiten Mal das Finale einer Europameisterschaft erreicht. Sie hat heute (21 Uhr, live im DSF) die Chance, den Erfolg von 1993 zu wiederholen. Das Team spielt gegen Griechenland, das in einem packenden zweiten Halbfinale Frankreich 67:66 bezwungen hat. Die Griechen hatten innerhalb von 40 Sekunden einen Rückstand von sieben Punkten aufgeholt. Auf das deutsche Team wartet heute ein Auswärtsspiel, bereits im Halbfinale hatten rund 6000 Griechen ihr Team frenetisch angefeuert.

Das deutsche Spiel gegen Spanien fand in einer ganz anderen Atmosphäre statt. 17 600 Zuschauer schufen im zweiten Halbfinale eine riesige Ruhezone, beide Teams hatten nur sehr wenige Fans mitgebracht. Die Rufe der rund 30 deutschen Anhänger verhallten in der Arena. Vielleicht lag es an dieser ungewöhnlichen Stille, dass das deutsche Team so verhalten begann. Es fehlten jene Emotionen, die die Mannschaft im Viertelfinale zum souveränen Erfolg (76:62) über Slowenien getragen hatten. Diesmal lag das deutsche Team nach dem ersten Viertel 16:23 zurück. Erst nach einer Serie von drei Dreipunktewürfen konnte es das Spiel wieder offen gestalten. Pascal Roller brachte seine Mannschaft mit einem Distanzwurf wieder in Führung, doch zur Pause lag sie mit einem Zähler zurück.

Nur schwer konnte das deutsche Team den spanischen Guard Juan Carlos Navarro kontrollieren, der Dirk Nowitzki vor diesem Spiel in der Liste der Topscorer mit durchschnittlich 26,8 Punkten überholt hatte. Bis zur Pause erzielte der Spieler vom FC Barcelona elf Punkte, Nowitzki genau so viele. Zur Pause aber hatten die deutschen Spieler zwölf Rebounds weniger als die Spanier gefangen. Ein Zeichen, dass ihnen unter den Körben die Aggressivität fehlte. Zu sehr hatten sie sich auf Distanzwürfe konzentriert.

Auch im dritten Viertel änderte sich daran nichts. In der Offensive fand das deutsche Team weiterhin nicht ins Spiel und sah sich erneut einem größerem Rückstand gegenüber: 39:48. Dann erst fing Dirk Nowitzki in der Defensive mehr Rebounds, und die Deutschen konnten in der Offensive einen 13:2-Lauf starten und kurzzeitig in Führung gehen. Vor dem entscheidenden letzten Viertel lag das Team von Bauermann mit drei Punkten zurück.

Doch dann lief Nowitzki heiß. Innerhalb von fünfeinhalb Minuten schloss er eine 14:2-Serie ab und verschaffte seinem Team erstmals eine etwas größere Führung: 68:59. Begeistert sprangen alle Spieler auf der deutschen Bank von ihren Plätzen auf. Doch die Führung begann zu bröckeln. 48 Sekunden vor dem Ende hatte der überragende Navarro sein Team auf einen Punkt herangebracht. Die Spanier verteidigten plötzlich aggressiver und verzeichneten einige Ballgewinne. 15 Sekunden vor dem Ende brachte Navarro per Korbleger Spanien erstmals wieder in Führung. Der Sieg? Nein, Dirk Nowitzki wusste noch eine Antwort: 3,9 Sekunden vor dem Ende erzielte er das 74:73. Der letzte Wurf der Spanier traf nur den Ring.

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