Sport : Hoch hinaus

Das Spiel in Jerusalem ist Albas wichtigster internationaler Auftritt seit 2001

Benedikt Voigt[Jerusalem]

Alba Berlin fehlt. Vor 25 Minuten hat das Personal am Gate 50 des Frankfurter Flughafens den Flug LH 686 nach Tel Aviv aufgerufen. Doch die Basketballer sind noch nicht eingetroffen. 20 Minuten vor der geplanten Abflugzeit eilen Trainer Henrik Rödl und Assistenzcoach Konstantin Lwowsky herbei. „Unser Flug aus Berlin hatte Verspätung, es war Nebel in Frankfurt“, erklärt Rödl gelassen. Man habe sich aber keine Sorgen machen müssen, dass die Basketballer das Flugzeug nach Tel Aviv verpassen würden. Dieses Spiel lassen sie sich nicht entgehen.

Das letzte Gruppenspiel im Uleb-Cup bei Hapoel Jerusalem (18 Uhr, live auf Eurosport 2) ist die wahrscheinlich bedeutsamste Partie für die Berliner in den letzten sechs Jahren. Zuletzt hatte Alba im Jahr 2001 in einem internationalen Wettbewerb die nächste Runde erreicht. „Das ist ein extrem wichtiges Spiel“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Wir haben es selber in der Hand.“ Siegen die Berliner, beenden sie diese schwere Gruppe auf Platz zwei – und bekommen am Freitag für das Achtelfinale einen Drittplatzierten der anderen Gruppe zugelost. Verliert Alba, entscheidet die Partie zwischen Siena und Ostende das Schicksal der Berliner Basketballer. Bei einem Sieg der Italiener rutscht Alba als Tabellenvierter ins Achtelfinale. Und sollten die Belgier gewinnen, ist der Uleb-Cup für Alba zum dritten Mal in Folge bereits nach der Gruppenphase beendet.

Die erfolglose Zeit schmerzte die Berliner. „Das hat seine Gründe, aber es tut weh“, sagt Baldi. Sein Klub definiert sich seit dem Korac-Cup-Sieg 1995 auch über den internationalen Wettbewerb. „Wir haben immer geglaubt, dass wir uns dadurch weiterentwickeln können“, sagt der Alba-Chef. „Auch weil die Zuschauer das sehen wollen.“ Allerdings ist die Zahl der Besucher bei internationalen Spielen in der Max-Schmeling-Halle seit längerem rückläufig. „Natürlich hat in den letzten Jahren auch der Glaube gelitten, dass Alba sich international durchsetzen kann“, sagt Baldi. „Es liegt an uns, das zu ändern.“

Ein Weiterkommen wäre auch für das Renommee des Klubs im Ausland wichtig. Baldi: „Wir haben ein gutes Image, was Zuverlässigkeit und Organisation betrifft, aber es wäre gut, wenn wir das auch sportlich untermauern könnten.“ Zumal der internationale Wettbewerb in den letzten Jahren umkämpfter geworden ist, wie der Blick auf den Tabellenstand der Berliner Gruppe zeigt: Nur Siena ist qualifiziert, fünf punktgleiche Teams kämpfen heute ums Weiterkommen. Alba hatte das Hinspiel gegen Jerusalem 77:92 verloren. „Wir schulden denen noch etwas“, sagt Albas Ruben Boumtje Boumtje.

„Wir sind heute auch Botschafter für Deutschland“, fügt Kotrainer Calvin Oldham hinzu. Nach dem Aus von Köln und Bamberg würde es der Basketball-Bundesliga bei den Verhandlungen mit dem europäischen Verband Uleb über eine künftige Vergabe der Startplätze helfen, wenn sich wenigstens ein Klub durchsetzen könnte. Zumal Vereine aus Ex-Jugoslawien inzwischen mehr Startplätze in Europaliga und Uleb-Cup fordern. Diese gehören vielleicht finanziell und organisatorisch nicht zu Europas Spitze. „Aber die sagen mit Recht: Seht doch, was ihr sportlich kriegt“, sagt Baldi.

Sieben Spieler sind neu bei Alba, von der Berliner Tradition in Europa wissen sie nicht viel. „Beim Korac-Cup-Sieg war ich in der D-Jugend beim SC Bergstraße“, sagt der deutsche Nationalspieler Johannes Herber. Doch die Ambitionen des Klubs sind bekannt. „Das wissen die Spieler, bevor sie einen Fuß auf Berliner Boden gesetzt haben“, sagt Baldi. Er hatte das Saisonziel, Weiterkommen im Uleb-Cup, den Spielern nach dem Trainingslager noch einmal deutlich gemacht.

Als das Team bei der Passkontrolle in Tel Aviv warten muss, fragt Sharrod Ford Albas Teammanager Henning Harnisch: „Stimmt es, dass euch Julius Jenkins im letzten Jahr abgeschossen hat?“ Der aktuelle Alba-Spieler, der in der letzten Saison für Euphony Bree in Belgien spielte, steht daneben und grinst verlegen. „Ja“, sagt Harnisch, „wir haben im letzten Jahr einigen Mist gespielt und nur drei Spiele gewonnen.“ Als Sharrod Ford etwas verwundert schaut, beeilt sich Harnisch zu sagen: „Aber das war im letzten Jahr.“

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