Sport : Hochachtung – warum?

Hertha BSC ist sich sicher, den VfL Wolfsburg schon bald wieder einzuholen

Friedhard Teuffel

Berlin - Manchmal ist Hertha BSC ein richtig selbstbewusster Hauptstadtklub, etwa wenn Dieter Hoeneß um Vergleiche mit anderen Bundesligavereinen gebeten wird. Gestern nämlich hat der Manager von Hertha BSC wie der Bürger einer Metropole über eine unbedeutende deutsche Stadt geredet. „Privat war ich noch nicht so oft in Wolfsburg“, sagte er und fast noch aussagekräftiger war sein süffisantes Lächeln dazu. Der jüngste Erfolg des VfL Wolfsburg veranlasste Manager Hoeneß vor dem Spiel der Berliner am Samstag in der Volkswagen-Arena jedenfalls nicht zu einer Huldigung, noch nicht einmal zu einer Ehrerbietung: „Auf Zeit gesehen können wir uns da durchaus behaupten.“

Was Hoeneß auch hätte sagen können: Egal, ob wir das Spiel am Samstag verlieren oder nicht, wir werden uns langfristig durchsetzen. Hoeneß betrachtet den Aufschwung des Tabellenzweiten keineswegs mit großen Augen. Und er sieht Hertha auch nicht den Anschluss verlieren: „Man muss es im langfristigen Zusammenhang sehen.“

Das sagt Hoeneß gerne, er hat es vor Wochen schon einmal getan, vor dem Heimspiel gegen den Deutschen Meister Werder Bremen. Im Spiel waren beide Mannschaften dann gleich schwach und trennten sich 1:1.

Der VfL Wolfsburg ist 1997 gemeinsam mit Hertha in die Bundesliga aufgestiegen. Im Durchschnitt haben die Wolfsburger seitdem Platz neun belegt, die Berliner dagegen Platz sieben. „Bei uns ging alles deutlich schneller“, sagt Hoeneß. Im Moment sind die Wolfsburger jedoch dabei, an Fahrt zuzulegen. Die Mannschaft ist in der vergangenen und in dieser Saison deutlich verstärkt worden – mit Hilfe des Volkswagen-Konzerns, der 90 Prozent der Anteile an der VfL Wolfsburg Fußball GmbH hält. Vielleicht reicht diese Stärke nicht nur für einen Sieg an diesem Samstag, sondern für einen dauerhaften Vorsprung vor Hertha.

Weil die Ergebnisse der vergangenen Jahre am Samstag keine Rolle spielen werden, müssen sich die Berliner ein gutes Konzept ausdenken. Die Wolfsburger sind im Angriff so effizient wie kaum ein Team in der Bundesliga. „Die gewinnen oder verlieren und spielen keine Unentschieden. Das unterscheidet sie von uns“, sagt Herthas Trainer Falko Götz.

Die Abwehrarbeit haben Hoeneß und Götz schon am Donnerstag begonnen, indem sie Herthas Verteidiger Josip Simunic stark redeten. „Er ist körperlich fitter geworden, aber er hat auch eine Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht. Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf den Beruf. In der Vergangenheit hatte er öfter einmal den Faden verloren“, sagte Hoeneß. Das ist eigentlich schon eine Menge Lob, aber Götz wollte es noch ergänzen: „Er entwickelt sich allmählich vom Teamspieler zum Verantwortungsträger.“

Nach einigen leichteren Verletzungen haben am Donnerstag drei Spieler ihre erste Trainingseinheit der Woche absolviert. Niko Kovac hatte sich beim 1:1 gegen Hansa Rostock am Samstag eine Muskelverletzung zugezogen, der Brasilianer Gilberto eine Knöchelverletzung, Pal Dardai plagte der Nacken. Es könnte daher sein, dass gleich beide defensiven Mittelfeldspieler gegen Wolfsburg ausfallen, Kovac und Dardai. Dann will Götz entweder Thorben Marx oder Andreas Schmidt auf der Position spielen lassen.

Für das Spiel gegen Wolfsburg nimmt sich Hertha selbst zum Vorbild, und zwar die Leistung bei Schalke 04. 3:1 hatten die Berliner gewonnen und damit die Serie von sechs Schalker Siegen in der Bundesliga beendet. Eine ähnliche Herausforderung erwartet die Berliner jetzt: Der VfL Wolfsburg hat sechs Heimspiele hintereinander gewonnen.

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