Sport : Hochklassiger Tabellenführer

Alba besiegt Ludwigsburg 99:90 nach Verlängerung und übernimmt die Spitze

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Berlin - Es kommt wahrscheinlich nicht oft vor, dass sich von 7202 Zuschauern die meisten irren. Gestern jedenfalls jubelten sehr viele Basketball-Fans in der Max-Schmeling-Halle, weil William Avery von Alba Berlin mit der Schlusssirene getroffen hatte. 84:82, Sieg für Alba – dachten sie. Während sie sich freuten, ruderte Schiedsrichter Robert Lottermoser mit den Armen und zeigte an, dass der Berliner Spieler Sekundenbruchteile nach der Sirene geworfen hatte. „Der Wurf kam sicher zu spät“, sagte auch Albas Trainer Henrik Rödl. Und so kamen die Zuschauer des dramatischen Bundesliga-Spitzenspiels gegen EnBW Ludwigsburg noch in den Genuss einer fünfminütigen Zugabe. 99:90 nach Verlängerung siegte Alba schließlich und eroberte sich die Tabellenführung zurück.

„Wir sind glücklich, dass wir dieses spannende Spiel gewonnen haben“, sagte Albas Trainer Henrik Rödl, „und ich freue mich, dass William Avery die entscheidenden Würfe getroffen hat.“ Der Berliner Aufbauspieler hatte in der Verlängerung zwei wichtige Dreier zum 92:84 getroffen. Mit 20 Punkten war er bester Werfer der Berliner vor Chris Owens (18) und Koko Archibong (17).

Ludwigsburg trat mit dem Selbstbewusstsein eines Tabellenführers auf, der von den vorangegangenen elf Spielen nur eines verloren hatte. Alba hatte den Auswärtssieg im Uleb-Cup in Sofia im Rücken. So konnte sich im ersten Viertel (27:28) ein hochklassiges Spitzenspiel entwickeln, in dem beide Teams nicht viel Wert auf Verteidigung legten. Erst ab dem zweiten Viertel intensivierten beide ihre Defensivbemühungen. Der mit 27 Punkten überragende Aufbauspieler Jerry Green brachte Ludwigsburg in Führung (30:36), doch Alba ließ sich nicht abschütteln. Vor der Pause brachten einige Schiedsrichterpfiffe Ludwigsburg aus der Fassung. Obwohl Albas Koko Archibong auf dem Parkett nur ausrutschte, erhielt Ludwigsburgs Miljan Goljovic ein Foul zugesprochen. Dann kommentierte Ludwigsburgs Trainer Silvano Poropat einen weiteren Pfiff gegen sein Team mit einem Tritt an die Bande – und erhielt ein technisches Foul. Alba nutzte die Momente der Verwirrung, um sich mit sechs Freiwürfen in Folge einen kleinen Vorsprung zur Pause zu verschaffen: 47:41.

Das Spiel aber blieb ausgeglichen, allerdings musste Alba im dritten Viertel das vierte Foul von William Avery verkraften. In der Schlussphase musste Alba wieder zittern. Trainer Henrik Rödl gab zwölf Sekunden vor dem Ende beim Stand von 81:79 die Anweisung zum Foulen, um nicht durch einen Dreier das Spiel zu verlieren. Es entwickelte sich ein munteres Freiwurfschießen, in dem Green zum 82:82 ausglich. Avery hatte zuvor zweimal einen Freiwurf vergeben. „Er hätte das Spiel schon vor der Verlängerung entscheiden können“, sagte Rödl, „aber er wollte es wohl dramatischer gestalten.“ Was ihm auch gelungen ist.

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