Sport : Hochsicherheitsspiel

Der Druck der Politik zwingt die Fußballverbände zu schnellen, harten Schritten gegen Gewalt.

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The Big Easy. Ernie Els hätte Major-Turniere in Serie gewinnen können, doch dann kam ihm Tiger Woods in die Quere.Foto: dapd
The Big Easy. Ernie Els hätte Major-Turniere in Serie gewinnen können, doch dann kam ihm Tiger Woods in die Quere.Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Die Zeit der Absichtserklärungen und guten Vorsätze ist vorbei. Die Innenminister der Länder machten am Montag deutlich, dass sie vom deutschen Fußball konkrete Maßnahmen gegen Gewalt in den Stadien sehen wollen. Vor einer Woche hatten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Klubs der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gegenüber Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Lorenz Caffier, dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz (IMK), bekundet, sich stärker gegen Pyrotechnik und Randale engagieren zu wollen. Genau das forderten die Sicherheitspolitiker am gestrigen Montag in einer weiteren Sicherheitskonferenz nun ein. „Es ist klar geworden, dass wir keine Kompromisse eingehen werden“, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann. „Es geht jetzt darum, konkret die Zeitfolge festzulegen.“

Der Druck auf den Fußball wächst also weiter. Im Frühjahr hatte die IMK einen Katalog mit Forderungen aufgestellt, mit dem sie die Fußballfunktionäre nun erneut konfrontierten. „Wir haben zwei Stunden intensiv und zum Teil kontrovers diskutiert“, sagte Caffier. Sein Amtskollege Schünemann sprach von „harten, offenen, am Schluss aber auch verbindlichen Worten“. Themen waren ein noch größeres finanzielles Engagement des Profifußballs in Fanprojekte, eine verbesserte Vorbereitung und Ausbildung der Ordnungsdienste, die Ausweitung der Videoüberwachung sowie zentral umgesetzte Stadionverbote. Wie angekündigt, sollen die Profiklubs einen größeren Anteil an der Finanzierung der Fanprojekte übernehmen, das so selbst eingesparte Geld wollen die Länder in Präventionsarbeit in unteren Spielklassen stecken. „Es reicht nicht, nur Termine für bestimmte Maßnahmen abzusprechen“, sagte Lorenz Caffier. „Jetzt muss auch gehandelt werden.“

Bei der vergangenen Sicherheitskonferenz hatten die Verantwortlichen der Fußballverbände noch den Ton bestimmt, gestern wirkten sie in die Defensive gedrängt. Der Ton der Innenminister sei sehr fordernd gewesen, berichtete ein Teilnehmer aus dem Fußball. „Wir haben den Druck gespürt, der von den Ländern ausgeübt worden ist“, sagte DFB-Präsident Niersbach. „Wir stellen uns diesem Druck.“ Man sei generell dazu bereit, alles zu tun, „was dazu beiträgt, Gewalt und Pyrotechnik aus den Stadien zu verbannen“.

Reinhard Rauball, der Präsident der DFL, sagte: „Wir haben teils gute und teils weniger gute Botschaften zu verkünden.“ Zu den guten Nachrichten aus Sicht des Profifußballs zählt sicherlich, dass die Kosten der Polizeieinsätze wie bisher nicht von den Vereinen getragen werden müssen. Die Abschaffung der Stehplätze steht ebenfalls bis auf Weiteres nicht zur Debatte. Auch den Vorstoß der IMK, personalisierte Tickets einzuführen, konnten die Fußballvertreter abwehren.

Insgesamt aber wird der Fußball einige Maßnahmen umsetzen müssen, die er sich wohl gern erspart hätte. „Über einige Dinge kann man einfach nicht mehr verhandeln“, gab Niersbach zu. Die große Frage ist, welche Folgen neue Ausschreitungen haben würden. Bundesinnenminister Friedrich hatte bereits betont, im Falle von erneuten Krawallen werde man „die ein oder andere Idee“ haben. Da nicht davon auszugehen ist, dass die nun endgültig hochoffiziell geächtete Pyrotechnik aus den Stadien verschwinden wird, dürfte den deutschen Fußball eine unruhige Saison erwarten.

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