Hochspringen : Aufstieg statt Ausstieg

Hochspringerin Ariane Friedrich gilt bei der WM als Medaillenkandidatin - möglicherweise ist das ein Irrtum.

Frank Bachner

Berlin Es wäre wirklich nicht schwer, Günter Eisingers Problem zu lösen. Seine Athletin müsste jetzt bloß die Hallen-Saison beenden, sie müsste nur auf ihren Start bei der Hallen-Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Valencia verzichten. Die beginnt heute, und, ehrlich gesagt, Halle ist halt Halle, die wird nicht so ernst genommen wie eine Freiluft-WM. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schickt ja auch nur 16 Athleten nach Spanien, der Stabhochspringer Danny Ecker ist gestern verletzt ausgefallen.

Das Problem von Eisinger ist nur, dass er Ariane Friedrich trainiert.

Die ist vergangene Woche in Weinheim 2,02 Meter hochgesprungen, noch einen Zentimeter höher als bei ihrem Sieg bei der deutschen Hallen-Meisterschaft. Ariane Friedrich gilt jetzt offiziell als Medaillenhoffnung, sie kann nicht einfach kneifen. „Die Erwartungshaltung ist eine kleine Katastrophe“, sagt Eisinger. Denn Ariane Friedrich, die 24-Jährige aus Frankfurt, „ist psychisch und physisch ausgelaugt“, sagt ihr Trainer. „Eigentlich hätten wir die Saison nach Weinheim abbrechen müssen. Ariane ist ja keine Maschine.“

Wenn sie bei der WM 1,95 Meter überqueren sollte, dann, sagt Eisinger, wäre das schon gut. 1,95 Meter gibt er in dieser Saison als Pflichthöhe vor, darunter darf nichts laufen, ob ausgelaugt oder nicht. Aber für eine Medaille muss man in Valencia wohl 2,00 Meter springen.

Andererseits hat der DLV natürlich ein Interesse, seine besten Athleten an den Start zu bringen, das ist ja schließlich der Sinn des ganzen Trainings. Jürgen Mallow, der deutsche Cheftrainer, sagte dem Fachmagazin „Leichtathletik“ zudem: Wichtiger als Medaillen sei es, „wie gut sich jeder in Szene setzen kann“. Und ein deutscher Bundestrainer, der nicht genannt werden möchte, sieht Eisingers Einschätzung eher kritisch. „Was hat sie groß zu verlieren? Wenn sie startet, sammelt sie Wettkampfhärte. Die braucht sie ja auch für die Olympischen Spiele. Wie soll sie denn sonst bei der Qualifikation in Peking bestehen.“ Bei Meetings allein sei die psychische Belastung großer Wettkämpfe nicht zu simulieren.

Eisinger hat auf jeden Fall schon mal dafür gesorgt, dass seine Athletin zumindest genügend Ruhe bis zur WM hatte. Nach ihrem Auftritt in Weinheim rief ihn ein TV-Sender an und teilte mit, die Hochspringerin möge bitte am nächsten Morgen um sieben Uhr im Morgenmagazin auftreten. Da wurde der fassungslose Eisinger doch ziemlich deutlich. „Kommt nicht infrage“, blaffte er nur.

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