Sport : Hochspringer Martin Buß gewinnt seine erste große Medaille

Jörg Wenig

Zwischen seinem zweiten und dritten Versuch über 2,35 m fing Martin Buß plötzlich an zu brüllen: Er feuerte Damian Kallabis an. Das Finale über 3000 m Hindernis hatte auch den Hochspringer gepackt, "die letzten beiden Runden habe ich mir angeschaut". Eine mögliche Berliner Medaille wollte sich der 23-Jährige vom OSC, der selbst gerade dabei war, Bronze zu gewinnen, nicht entgehen lassen. Doch der Europameister Kallabis (SC Charlottenburg) wurde in dem spannenden Rennen unglücklicher Vierter. Genau von diesem Platz hatte Martin Buß genug. Vierter war er schon vor einem Jahr bei der WM und dann wieder bei der Hallen-WM im März. "Irgendwann muss Schluss sein mit diesem vierten Platz", hatte Buß vor Sevilla gesagt. Zwar riss er 2,35 m auch beim dritten Versuch, doch im ersten Versuch übersprungene 2,32 m reichten für Bronze.

"Daran geglaubt, habe ich aber erst, als der Kampfrichter nach dem dritten Versuch von Steve Smith die rote Fahne hob", sagte der Berliner. Unangenehme Erinnerungen waren bei Martin Buß wach geworden. Bei der EM in Budapest hatte er mit 2,32 m die Bronzemedaille schon so gut wie sicher - doch dann schaffte Dalton Grant ein nicht für möglich gehaltenes Comeback. Der Brite übersprang 2,34 m und Martin Buß stand mit leeren Händen da. Diesmal war es wieder ein Engländer, noch dazu ein Freund von Grant, der als einziger Buß noch die Bronzemedaille streitig machen konnte. Steve Smith, der sich bei der Qualifikation leicht verletzt hatte, wusste, dass er nur wenige Sprünge machen konnte, und ging deswegen aufs Ganze. Der Mann aus Liverpool begann seinen Wettkampf erst bei 2,35 m, hatte jedoch zur Erleichterung von Martin Buß schließlich keinen gültigen Versuch.

Eine Parallele zu Budapest gab es auch für Damian Kallabis. Der WM-Endlauf war auf den Tag genau ein Jahr nach seinem EM-Triumph - und Kallabis lief in Sevilla mit 8:13,11 Minuten lediglich um eine Hundertstelsekunde langsamer als damals in Ungarn. "Wenn man mir vor einem halben Jahr gesagt hätte, du belegst Platz vier bei der WM, hätte ich gesagt: Super", erklärte der 26-Jährige, der angesichts der um wenige Zehntelsekunden verpassten Bronzemedaille aber irgendwie enttäuscht war. Doch er hat alles riskiert und damit zwar keine Medaille, aber viel Achtung gewonnen. "Wenn man sich in so einem Rennen versteckt, kann man es gleich vergessen", sagte Damian Kallabis.

Einerseits froh, andererseits verärgert - diese Gefühlslage traf auch bei Martin Buß zu. Allerdings aus einem anderen Grund. Während der ersten Interviews schimpfte der kaum aus der Ruhe zu bringende Berliner: "Es ist unglaublich, so etwas habe ich überhaupt noch nicht erlebt. Die Kampfrichter haben den Springern die Anlaufmarkierungen weggerissen und uns andere Markierungen gegeben - doch die klebten nicht. Und alle Kampfrichter sprachen ausschließlich Spanisch." Doch drei Stunden später freute er sich nur noch über seine erste bedeutende Medaille. "Solange sie mir nicht die Spikes wegnehmen, springe ich weiter."

Martin Buß und Damian Kallabis, zwei Berliner Athleten, von denen die deutsche Leichtathletik in der Zukunft noch einiges erwarten darf, werden beide auch am 7. September beim Istaf in Berlin starten. Der eine mit und der andere ohne Rekordpläne. "Vom Sprungvermögen her, wäre für mich in diesem Jahr ein neuer deutscher Rekord möglich gewesen. Doch zu dem späten Saisonzeitpunkt ist das jetzt kaum noch drin. Ich will die 2,38 m nächstes Jahr angehen", sagte Buß. Aufgrund seiner Saisonplanung mit bisher erst wenigen Starts, hat Damian Kallabis dagegen noch Luft und ist angriffslustig. So könnte das 3000-m-Hindernisrennen im Olympiastadion für ihn zum Saisonhöhepunkt vor heimischem Publikum werden. Denn bei einem gleichmäßigen Tempo ist der Europarekord des Franzosen Joseph Mahmoud (8:07,62 Minuten) für den Berliner durchaus zu erreichen.

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