HOCHSPRINGER RAUL-ROLAND SPANK : Ein Puma auf dem großen Sprung nach oben

Irgendwann mal war er einfach nur entspannt, psychisch entspannt. Er hatte ja nichts zu verlieren. Raul-Roland Spank hatte doch schon alles erreicht. Er stand im olympischen Hochsprungfinale, ein Erfolg, mit dem er nie gerechnet hatte. Er war der Außenseiter, er hatte 2,29 Meter überquert, dann 2,32 Meter, damit hatte er seinen persönlichen Rekord um zwei Zentimeter verbessert, es gab keinen Grund zu verkrampfen. Die Kulisse, die 91 000 im Stadion? Die mochten Druck auf die Favoriten machen, aber nicht auf ihn. Und deshalb peilte er noch 2,36 Meter an. Das war fast schon eine arrogante Geste. Dieser Nobody macht hier auf großen Athleten? Na und? „Man kann das als Frechheit Interpretieren“, sagte Spank, nachdem er gerissen hatte und Fünfter geworden war, „ich sehe das anders. Ein Hochspringer muss wie ein Puma sein: lauernd, wartend und zubeißend.“ Ein Athlet mit viel Perspektive muss wie Spank sein: selbstbewusst, unverkrampft, Chancen erkennend. Einer, der nicht bei einem Bezirkssportfest, sondern auf der größten Bühne des Sports so redet, der hat eine Zukunft vor sich.

Spank ist ja nicht bloß einer, der rotzige Sprüche raushaut, Spank lernt von den Besseren. „Man kann sich von jedem etwas abschauen“, sagt er. Von Andrej Silnow, dem Russen zum Beispiel, der Gold gewann und bis 2,36 Meter jede Höhe im ersten Versuch gemeistert hatte. Die 2,42 Meter, die riss er dann nur hauchdünn. Von Silnow will Spank „Frechheit“ lernen. Noch mehr Frechheit. „Für mich war es eine Genugtuung zu zeigen, dass ich beim Höhepunkt alles aus mir rauskitzeln kann“, sagte er nämlich auch. Das ist schon frech genug.

2009 findet die WM in Berlin statt, vermutlich mit Spank. „Dann gibt es eine Medaille“, sagte er. Ein Scherz; bei ihm muss man das dazu sagen. Tsp

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