Sport : Hochstimmung in Weiß-Blau - BMW freut sich über ein erstaunliches Comeback

Karin Sturm

"Weißwürste haben wir nicht mitgebracht, die wären hier schlecht geworden. Aber Bier zum Feiern haben wir schon", meinte ein strahlender BMW-Motorsportchef Mario Theissen. Viele aus der BMW-Williams-Truppe hatten Freudentränen in den Augen, als Ralf Schumacher beim BMW-Comeback nach 13 Jahren Formel-1-Pause als Dritter über die Ziellinie fuhr. Auch der Deutsche konnte es kaum glauben: "Ich war vorher zuversichtlich, dass es für Punkte reichen würde. Doch mit einem Platz auf dem Podest hatte ich nie gerechnet. Unser ganzes Team hat tolle Arbeit geleistet. Dieses Auto ist der beste Williams, den ich je hatte - viel einfacher zu fahren als der vom vergangenen Jahr. Und der Motor hat Leistung und Standfestigkeit bewiesen."

Bruder Michael war der Meinung, dass Ralf nicht genug jubelte: "Ein bisschen mehr Emotion bitte", forderte er ihn bei der Pressekonferenz auf. Dem BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger war dagegen aller Stolz anzumerken. "Einen Platz auf dem Podest gleich im ersten Rennen hat in den letzten 30 Jahren kein Motorenhersteller geschafft, wenn ich richtig nachrechne." Von Schadenfreude in Richtung der Konkurrenz von Mercedes wollte Berger allerdings nichts wissen: "Dazu bin ich zu lange im Geschäft, habe schon viel zu viele Höhen und Tiefen erlebt. Ich weiss, dass solche Dinge passieren können." Beinahe hätte der Jungstar Jenson Button den BMW-Williams-Erfolg noch mit Rang sechs - vom 21. Startplatz aus - komplettiert. Doch elf Runden vor Schluss wurde er von einem Motorschaden gestopppt. Bis dahin hatte Button eine beeindruckendes Rennen gezeigt und damit seinen Arbeitgeber vielleicht auch ein wenig besänftigt nach zwei Zwischenfälle, die nicht gerade für stark ausgeprägtes Taktgefühl sprachen. Erst hatte er Ärger bekommen, weil er mit seinem neuen, vom ersten Gehaltsscheck gekauften Ferrari ins Williams-Werk kam, und dann bestellte er sich auch gleich noch einen Mercedes. Und das vor den Augen der BMW-Leute.

Doch an einem Erfolgstag wie dem Sonntag in Melbourne spielte so etwas keine Rolle mehr. Da herrschte nur Hochstimmung bei den Weiß-Blauen. Ob dieser Erfolg womöglich zusätzlichen Druck nach sich ziehen könne, wurde Theissen noch gefragt. "Ganz bestimmt nicht", sagte er, "das ist nur ein zusätzlicher Ansporn. Wir erwarten nicht, dass es ständig so weiter geht." Zur Erinnerung: Beim ersten Anlauf 1982 gab es im vierten Formel-1-Rennen den ersten Sieg.

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