Hockey : Also wieder Deutschland

Mit Leidenschaft und jeder Menge Glück sind die Hockey-Männer erneut ins EM-Finale eingezogen. Bei der zwölften EM seit 1970 kann der Rekord-Europameister an diesem Sonntag zum siebten Mal den kontinentalen Titel gewinnen.

Stefan Hermanns

Amsterdam - Philipp und Christopher Zeller, die beiden Brüder in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, besitzen, rein äußerlich, eine erstaunliche Ähnlichkeit. Mit ein bisschen Übung allerdings sind sie recht leicht auseinanderzuhalten. Auf dem Platz sowieso. Der eine, Christopher, spielt im Sturm, der andere, Philipp, in der Abwehr. Trotzdem muss Christopher Zeller am Freitag Opfer einer Verwechslung geworden sein. Der Jüngere der beiden war nach dem Halbfinale der Europameisterschaft als Matchwinner zur Pressekonferenz abgestellt worden; er hatte gegen Spanien das Tor zum 2:1-Endstand erzielt. Der wahre Matchwinner aber war an diesem Abend der Abwehr-Zeller gewesen. „Mein Bruder hat heute phänomenal gespielt“, sagte Christopher über den Verwandten im eigenen Team.

Die Geschichte des ungleichen Halbfinales war damit eigentlich schon erzählt: Auf der einen Seite die Spanier mit ihrer unwiderstehlichen Offensive, auf der anderen die Deutschen, die mit viel Leidenschaft, einer ebenso großen Menge Glück und vor allem dank ihrer überragenden Defensive ins EM-Finale gegen England einzogen. Bei der zwölften EM seit 1970 kann der Rekord-Europameister an diesem Sonntag (15.30 Uhr) zum siebten Mal den kontinentalen Titel gewinnen.

Die Deutschen also wieder. „So sind sie“, sagte Spaniens Trainer Dani Martin. „Auch wenn sie schlecht in ein Turnier reinkommen – sie wachsen immer.“ Der Rest des Kontinents war schon wegen der historischen Erfahrungen weniger vom Finaleinzug der Deutschen überrascht als diese selbst. Nachdem sich die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise regelrecht durch die Vorrunde gequält hatte, hat vor allem das abschließende Gruppenspiel gegen Österreich Zweifel an der eigenen Stärke aufkommen lassen. Österreich ist im Hockey ungefähr das, was die Färöer im Fußball sind. Trotzdem reichte es nur zu einem schmucklosen 3:1.

Die Auftritte in der Vorrunde waren weniger erstaunlich als die Leistung im Halbfinale. Das deutsche Team steckt im Umbruch, für viele Spieler ist es das erste große Turnier, Schwankungen sind da völlig normal. „Wir haben in der Gruppenphase genügend Angriffsfläche geboten“, sagte Weise. „Aber was du vorher gespielt hast, das interessiert jetzt keinen mehr.“ Dabei haben die Deutschen in der Vorrunde gegen England aus einem 2:4-Rückstand noch ein 4:4 gemacht. „Da haben wir erst gut gespielt, als wir gut spielen mussten“, sagt Weise. Das Finale müsse sein Team anders angehen. Ganz stimmt das natürlich nicht. Die Deutschen müssen einfach nur gut spielen, wenn sie gut spielen müssen. Im Endspiel heißt das: von Anfang an. Stefan Hermanns

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben