Sport : Hockey-Bundesliga: Eine Woche lang nicht Letzter

Martin Scholz

Selten hat ihm eine Niederlage so viel Freude bereitet. "Super, das hat Spaß gemacht", sagte Safi Khalil. Die von ihm trainierten Hockeyspielerinnen des Berliner SV 92 hatten ihr Auftaktspiel in der Bundesliga gegen TuS Lichterfelde nur 2:4 (1:2) verloren. Dabei profitierte Khalils Team vor allem von Anika Zoega, die zwei von drei Strafecken verwandelte, und davon, dass bei TuS Lichterfelde noch längst nicht alles so funktionierte wie gewünscht. Lena Lange, Nicole Peter, Daniela Meister und Luisa Lanier trafen aber zum letztlich ungefährdeten Sieg.

Der Grund für die Bescheidenheit des Aufsteigers BSV liegt auf der Hand: In der Frauen-Bundesliga haben es Neulinge durch den großen Leistungsunterschied gegenüber der Regionalliga stets schwer. Der BSV gehörte jedoch selbst in der Regionalliga nicht zu den etablierten Mannschaften. Mit drei Aufstiegen in vier Jahren startete der Klub aus der untersten in die höchste Spielklasse durch. Der jüngste Klassensprung kam aber völlig überraschend: Als der Trainer im Vorjahr Rang eins bis drei als Ziel ausgab, "haben mir alle den Vogel gezeigt". Doch die höher gehandelten ATV Leipzig und der Berliner SC waren nicht so stark wie erwartet. Der BSV setzte sich ungeschlagen durch und findet sich jetzt in der Bundesliga wieder.

Einen Aufschwung erlebte der BSV, dessen größter Erfolg 1940 der Gewinn des Deutschen Meistertitels bei den Herren war, in den neunziger Jahren. Die B-Jugend holte 1995 mit Safi Khalil den nationalen Titel. Ein Jahr später waren die Mädchen A erfolgreich. Eine Frauenmannschaft existierte zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Sie wurde nun aufgebaut, um den Mädchen eine Perspektive zu bieten. Die erfolgreiche Jugend fiel nach Differenzen auseinander, die Frauen mussten ihren Weg aus der Verbandsliga alleine gehen. In der Halle stiegen sie sogar viermal in Folge auf und spielen künftig ebenfalls in der Bundesliga.

Fraglich ist nur, wie lange der Aufenthalt in der Bundesliga dauern wird. "Wir sind potentieller Abstiegskandidat" räumt Safi Khalil ein. Der Klassenerhalt wird zwar pflichtschuldig zum Saisonziel erhoben, vorrangig werden aber andere Dinge angestrebt: "Wir müssen uns kleine Ziele setzen, und die Bundesliga als Abenteuer sehen" sagt Safi Khalil, der mit 22 Jahren der jüngste Bundesliga-Trainer ist. Und da am ersten Spieltag andere Mannschaften deutlicher verloren haben, stellte eine BSV-Spielerin mit gewisser Zufriedenheit fest: "Wir sind jetzt schon mal eine Woche lang nicht Letzter!"

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