Hockey-EM : Deutsche Damen verteidigen sich zum Titel

Holland hatte acht Strafecken – Deutschland keine einzige. Aber die deutschen Hockey-Frauen sind Europameister.

Stefan Hermanns
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Die deutschen Hockey-Frauen jubeln nach ihrem Titelgewinn. -Foto: dpa

ManchesterAm Ende wurde es noch einmal knapp für die Holländerinnen. Ihr Vorsprung wurde immer kleiner, doch dann beendeten sie die Ehrenrunde doch noch siegreich. Die Holländerinnen waren viel früher gestartet als die Deutschen, aber sie schlichen geradezu an den Tribünen vorbei. Die deutschen Hockeyspielerinnen hingegen machten das, was sie auch in den 70 Minuten des EM-Finales gemacht hatten: Sie liefen und liefen. Wahrscheinlich waren es irgendwelche Glückshormone, die inzwischen ihre Wirkung entfalteten. Zum ersten Mal haben die deutschen Hockey-Frauen den Titel des Europameisters geholt. Im Finale in Manchester setzten sie sich 2:0 (1:0) gegen Weltmeister Holland durch. „Es war ein bisschen wie in Athen“, sagte Natascha Keller vom Berliner HC. „Wir haben vielleicht nicht das schönste Hockey gespielt, aber das erfolgreichste.“

In Athen, bei Olympia vor drei Jahren, hatten sich die Deutschen ebenfalls als Außenseiter gegen die Holländerinnen durchgesetzt; die Niederlage ist bis heute so etwas wie ein Trauma für die Niederlande. „Die Enttäuschung geht weiter“, sagte Fatima Moreira de Melo nach dem Finale, in dem sich die Deutschen regelrecht zum Titel verteidigten. „Unser Plus war die ganz starke Abwehrarbeit, die im Sturm angefangen hat“, sagte Mandy Haase. Natascha Keller war mehr in die Abwehrarbeit eingebunden als in das eigene Angriffsspiel. Ob sie schon einmal so viel gelaufen sei? „Ja“, sagte Keller, „gegen England.“ Im Halbfinale der EM, der ersten von zwei Abwehrschlachten innerhalb von zwei Tagen.

Schon in der zweiten Minute gingen die Deutschen nach der ersten Strafecke in Führung – nach einer für Holland. „Das war nicht besonders geschickt“, sagte Hollands Kapitänin Minke Booij. Fanny Rinne fing den Ball ab, spielte einen langen Pass auf Natascha Keller, und danach ging eigentlich alles schief, was schief gehen konnte. Keller wartete zu lange mit ihrem Zuspiel auf die frei stehende Janine Beermann, der Ball hoppelte heran, Beermann verlor die Kontrolle. „Im ersten Moment wollte ich den Ball schon verloren geben“, sagte die 23-Jährige. Sie ließ sich ein bisschen abdrängen, fragte sich: „Was machst du da schon wieder?“ - und hämmerte den Ball mit der Rückhand ins Tor.

„Wir haben die Holländerinnen überrascht“, sagte Maike Stöckel, mit fünf Toren beste Torschützin des Turniers. „Da war schon die Luft raus bei denen.“ Dafür aber traten die Holländerinnen in den restlichen 68 Minuten noch ziemlich dominant auf, nur: „Der Ball wollte nicht rein“, sagte Minke Booij. Acht Strafecken hatten die Holländerinnen, die Deutschen keine, Kim Lammers traf einmal den Pfosten, den Rest erledigte Yvonne Frank im deutschen Tor. Bundestrainer Michael Behrmann führte auch im Endspiel die Rotation auf der Torhüterposition fort. Kristina Reynolds, die im Halbfinale noch grandios gehalten hatte, saß nicht einmal auf der Bank. Ironischerweise wurde sie nach dem Endspiel als beste Keeperin des Turniers geehrt.

Zur entscheidenden Spielerin des Finales hätte man Janine Beermann wählen müssen. Fünf Minuten nach der Pause erzielte sie auch den zweiten Treffer, erneut nach einem Konter, erneut mit der Rückhand. Ab der kommenden Woche spielt Beermann für den holländischen Erstligisten Nimwegen. „Ich habe Angst, dass die mich gar nicht mehr wollen“, sagte sie. Eine unbegründete Sorge: Die zweite Glückwunsch-SMS kam aus Nimwegen.

Die Männer spielen um Bronze:

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