Hockey-EM : Olympia muss warten

Die deutschen Hockey-Herren haben in einem Siebenmeter-Krimi gegen Titelverteidiger Spanien das EM-Endspiel verpasst. Auch die direkte Olympia-Qualifikation ist nun in Gefahr.

Stefan Hermanns
Hockey-EM
Krumm gemacht für den Sieg: Spaniens Enrique (vorn) ist vor Biederlack am Ball. -Foto: AFP

ManchesterUlrich Bubolz besitzt viele Talente, er spricht fließend Englisch und Französisch, aber manchmal reichen auch ein paar einfache Gesten, um alles zu sagen. Der Torhüter der deutschen Hockey-Nationalmannschaft stand nach dem Halbfinale der Europameisterschaft in Manchester vor dem Kabinengang, als sein spanisches Pendant Francisco Cortes vorbeikam. Bubolz hob den Daumen, Cortes seinen, aber obwohl sie die gleiche Geste wählten, meinten beide etwas anderes. Anders als vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft in Mönchengladbach musste diesmal der deutsche dem spanischen Torhüter gratulieren. Die Spanier gewannen 4:2 im Elfmeterschießen und ziehen damit ins Finale der EM ein. Die Deutschen verpassten die erste Gelegenheit, sich für Olympia zu qualifizieren. Die zweite haben sie morgen (13 Uhr) im Spiel um Platz drei. Spanien trifft anschließend im Finale auf Holland.

„Spanien haben wir drauf“, hatte Stürmer Matthias Witthaus vor dem Halbfinale gesagt. „Das haben wir schon gezeigt.“ Zum letzten Mal vor knapp einem Jahr bei der WM. Damals gewannen die Deutschen ein hochdramatisches Duell im Siebenmeterschießen. Diesmal revanchierten sich die Spanier. Nach regulärer Spielzeit hatte es 3:3 (2:1) gestanden, Timo Weß schoss seinen Siebenmeter über die Latte, Philipp Zeller scheiterte an Cortes, die spanischen Schützen hingegen verwandelten alle. „Die waren alle sehr stark geschossen“, sagte Bubolz.

Trotz schönen Toren der Deutschen: Spanien verdienter Sieger

Obwohl eine Entscheidung auf diese Weise immer mit Glück zu tun hat, fand das Spiel einen verdienten Sieger. „Wir hatten einfach nicht die Spannung, die man braucht“, sagte Bubolz. „Am Anfang haben die Spanier nicht mal richtig gewollt. Aber wir haben uns selber verunsichert.“ Nach gerade 30 Sekunden bekam Maximilian Müller den Ball im Schusskreis an den Fuß. Die folgende Strafecke verwandelte Xavier Ribas zum 1:0. Die Deutschen leisteten sich so viele leichte Fehler, dass ihre wenigen Glanzstückchen umso mehr funkelten. Fünf Minuten nach dem Rückstand stürzte sich Christopher Zeller regelrecht in eine Hereingabe von Tibor Weißenborn und wuchtete den Ball zum 1:1 gegen das Torbrett. Auch der Führungstreffer entsprang einer spektakulären Aktion. Kurz hinter der Linie sprintete Carlos Nevado mit dem Ball los, im Schusskreis setzte er die argentinische Rückhand an und rammte den Ball ins kurze Eck.

Die Tore fielen in der besten Phase der Deutschen, davor und vor allem danach machten sie ihrem Trainer Markus Weise einen viel zu passiven Eindruck. Seine Mängelliste war lang: Im Angriff hätten seine Spieler kaum mal einen Ball gehalten, das Mittelfeld habe sehr mau ausgesehen, und dass die Stürmer „da vorne so wischiwaschimäßig unterwegs“ waren, hatte ihm auch nicht gefallen.

Es war vor allem Torhüter Bubolz, der seiner Mannschaft mit guten Paraden den Vorteil lange Zeit bewahrte. Innerhalb von nur zwei Minuten machten die Spanier aus dem 1:2 ein 3:2. Ribas und David Alegre trafen nach Strafecken. Erst danach ergriffen die Deutschen wieder die Initiative und schafften fünf Minuten vor Schluss durch Christopher Zeller, ebenfalls nach einer Strafecke, den Ausgleich. „Mit viel Glück haben wir überhaupt noch das 3:3 gemacht“, sagte Torhüter Bubolz. Mehr Glück aber war für die Deutschen an diesem Abend nicht mehr vorgesehen.

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