Hockey-Nationalmannschaft testet in Berlin : Mit dem Geist von Rio

Die deutschen Hockey-Frauen bereiten sich beim Four Nations Cup in Berlin auf die wichtigen Turniere in diesem Sommer vor.

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Chef im Powerhouse. Jamilon Mülders testet ab Donnerstag in Berlin.
Chef im Powerhouse. Jamilon Mülders testet ab Donnerstag in Berlin.Foto: Schmidt/dpa

Jamilon Mülders hat am Dienstag darauf verzichtet, Namensschilder zu verteilen, die am Revers zu tragen sind, damit alle Spielerinnen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen, weil es schließlich lange her ist, seitdem sich die deutschen Hockey-Frauen zuletzt begegnet sind. Beim harten Kern der Nationalmannschaft liegt das mehr als drei Monate zurück. Und dass sich die Spielerinnen schon besonders gut kennen, lässt sich auch nicht behaupten. Ganze 23 Tage hat Mülders, der Bundestrainer des deutschen Teams, seine Spielerinnen in diesem Jahr um sich gehabt, davon 14 beim Zentrallehrgang in Südafrika Ende Februar/Anfang März. Nicht gerade viel für eine Mannschaft, der nach Olympia im vergangenen Sommer die Erfahrung von gut tausend Länderspielen weggebrochen ist – und die trotzdem in den nächsten beiden Monaten wieder auf höchstem Niveau funktionieren muss. „Es ist ein völlig verrückter Sommer“, sagt Mülders. „Aber ich bin sehr entspannt.“

Schon in dreieinhalb Wochen geht es für Mülders und sein Team im World-League-Halbfinale in Johannesburg um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018, ab Mitte August steht dann in Amsterdam die Europameisterschaft an. Den wichtigsten Test vor diesen Turnieren absolvieren die Deutschen in dieser Woche in Berlin: beim Four Nations Cup auf dem Gelände des Berliner HC (Wilskistraße 70).

Die Gegner Irland (Donnerstag, 19 Uhr), Südkorea (Freitag, 19 Uhr) und China (Sonntag, 14 Uhr) sind durchaus anspruchsvoll. Mülders schätzt die Tage in Berlin daher als „ungemein wertvoll“ ein – auch weil er mit demselben Kader bei der World League an den Start gehen wird. Mülders hat zehn Spielerinnen nominiert, die vor einem Jahr bei Olympia noch nicht dabei waren; neun haben weniger als zehn Länderspiele bestritten – und trotzdem ist das keine Mannschaft blutiger Anfänger, bei der Mülders keinen Schimmer hat, was am Ende wohl herausspringen wird.

Das Nationalteam bedient erfolgreich eigene Mythen

Der 41-Jährige fühlt sich ein bisschen wie Joachim Löw beim Fußball. „Die Auswahl ist groß, die Tür steht immer offen“, sagt er. „Trotzdem vertraue ich einem harten Kern, der viel zusammen erlebt hat.“ Als die Nationalmannschaft Anfang April zwei Länderspiele gegen Belgien bestritten hat, standen einmal vier etablierte Spielerinnen auf dem Feld, einmal nur drei. Alle anderen waren neu. „Aber die vier Etablierten haben es geschafft, die anderen besser zu machen“, erzählt Mülders. Sein Team gewann beide Spiele.

Das deutsche Frauenhockey sei wieder ein „Powerhouse im Welthockey“, sagt der Bundestrainer. Auch weil die Nationalmannschaft erfolgreich die eigenen Mythen bedient. Unangenehm, unhöflich, athletisch kompakt, dynamisch, taktisch intelligent, mit hoher Individualität und enormem Willen: So will Mülders seine Mannschaft sehen.

In knapp fünf Jahren im Amt hat er ein stabiles Fundament geschaffen. Die Zeiten der extremen Ausschläge, die typisch waren für die deutschen Frauen, sind vorbei. „Wir gehören mittlerweile zur Weltspitze – weil wir abgeliefert haben“, sagt der Bundestrainer. Unter anderem eine Bronzemedaille bei Olympia in Rio. Dieser Erfolg strahlt bis heute auf das Team ab, er verleiht den Spielerinnen eine natürliche Selbstsicherheit, selbst denen, die in Rio gar nicht dabei waren. Mülders hat das vor allem beim Lehrgang in Südafrika, dem ersten mit dem neuen, verjüngten Kader gespürt: „Innerhalb einer halben Stunde war der Spirit von Rio greifbar. Wir hatten uns ein halbes Jahr nicht gesehen, trotzdem war die Verbindung einfach da. Wahnsinn.“

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