Sport : Hockey: Nationalteams in Berlin Frauen und Männer an neue Trainer gewöhnt

Thomas Schöbel

Berlin - Einen Fan der polnischen Nationalmannschaft hatte es gestern Nachmittag auf die Anlage des Berliner Hockey-Clubs an der Wilskistraße verschlagen. Zumindest war es der einzig erkennbar Anhänger der Polen, ausgerüstet mit der Fahne seiner Nation. Er brüllte und sang – und war damit lauter, als die weiteren etwa 1200 Zuschauer. Beim Feldhockey geht es eben ruhig und familiär zu. Und so war es auch gestern, als sich die deutsche Nationalmannschaft der Männer in einem Testspiel 1:1 (0:0) von Polen trennte. Kapitän Timo Weß erzielte das Tor für die Deutschen nach einer Strafecke. Die Frauen besiegten die Ukraine mit 10:0 (6:0).

Neben den Spielen ging es vor allem um den Kontakt der Fans zu den Nationalspielern, den Weltmeistern und Olympiasiegern. Für die Fans in Berlin gibt es einiges Neues zu entdecken, denn es hat im vergangenen halben Jahr gravierende Veränderungen gegeben: Beide Nationalteams werden von einem neuen Trainerstab betreut. Nachfolger des Herren-Bundestrainers Bernhard Peters ist Markus Weise., der zuvor die Frauen Deutschen Hockey-Bundes (DHB) gecoacht hatte. Den vakanten Posten übernahm Michael Behrmann, der ehemalige Trainer der U21. Um beide Trainerwechsel gab es Diskussionen. Kann Weise an die Erfolge des akribischen Arbeiters Peters anknüpfen? Kann Behrmann die Kritiker, darunter vor allem Nationalspielerinnen, verstummen lassen, die sich einen international renommierteren Trainer gewünscht hatten? Markus Weise sieht das gelassen. „Wenn ich mir ständig Gedanken darüber machen würde, könnte ich den Job gar nicht erledigen“, sagt er. Michael Behrmann reagiert ebenfalls entspannt auf die Kritik: „Wir haben diese Entscheidung der Mannschaft ausführlich erklärt.“ Einige seiner Spielerinnen hatten sich einen Trainer aus dem Ausland gewünscht, der möglicherweise neue Impulse hätte geben können. Inzwischen wirkt es so, als habe sich das Stimmungsbild geändert. Von den Spielerinnen und Spielern hört man nur Positives. „Bei Markus Weise haben die Spieler mehr Eigenverantwortung“, sagt Routinier Philipp Crone. Weise betont, dass er diese lockere Art ganz bewusst wählt. „Das ist mein eigener Stil, mit dem ich aber genauso viel von den Spielern fordere wie Bernhard Peters.“

Das Ziel von Behrmann ist es, mehr junge Spielerinnen an den A-Kader heranzuführen als dies zuletzt der Fall war. Olympiasiegerin Marion Rodewald betont, dass man sich mit der Trainerentscheidung mittlerweile abgefunden habe und die Konkurrenz durch die Jungen bisher belebend sei.

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