Sport : Hockey: Nun steht auch Berti Rauth in der Kritik

Mindestziel verpasst, Medaille verspielt, Maximal-Förderung verloren: Nach dem schlechtesten Olympia-Abschneiden aller Zeiten errechnete Joachim Hürter ein neues Finanzloch beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) und nahm den bisher unantastbaren Damen-Coach in die Mangel. "Wir werden Berti Rauth fragen, in wieweit er mit dem Abschneiden zufrieden sein kann", sagte der DHB-Vizepräsident nach dem Scheitern in Sydney. Durch ein 2:2 (1:1) gegen Holland reichte es nur zum vierten Rang in der Vorrunde. "Er muss erklären, wie wir in vier Jahren wieder höchsten Maßstäben gerecht werden können", forderte der beim Verband für Finanzen und Sport zuständige Ex-Nationalspieler.

Während Präsident Christoph Wüterich ("Köpfe werden nicht rollen, wir sind nicht beim Fußball") einen Trainerwechsel ausschloss, hielt sich Hürter an die Fakten. Neben dem Champions-Trophy-Startrecht 2001 wurde auch die wirtschaftlich unverzichtbare Förderstufe I durch den Bund verspielt. Für den um Konsolidierung ringenden DHB ein schwerer Schlag, der sich zudem negativ für die Aktiven auswirken wird. "Ich weiß nicht, ob es 100 000 oder gar 200 000 Mark sind, aber wir müssen es beim Sport einsparen", sagte Hürter.

Rauth ließ sich zu seinen Zukunftsplänen noch nichts entlocken, doch er steht vor einer schwierigen Entscheidung. In seiner Amtszeit stehen mit Rang sechs in Atlanta und der Trostrunde (Ränge sieben bis zehn) in Sydney die schwächsten Platzierungen bei Olympia zu Buche. Und der Rüsselsheimer müsste ein neues Team aufbauen, zumindest vier Stammkräfte (Katrin Kauschke, Simone Gräßer, Tanja Dickenscheid, Birgit Beyer) hören auf. Das Problem: Anders als im Herrenbereich rücken kaum gute Youngster nach. "Ich wüsste nicht, welche Juniorin zum A-Kader stoßen könnte", monierte DHB-Sportdirektor Lutz Nordmann, der beim Chefcoach weitere Defizite ausmachte: "Bertis Zusammenarbeit mit den anderen Trainern im Damenbereich ist nicht so, wie ich es mir wünschen würde."

Olympia will Rauth mit Anstand hinter sich bringen: "Es ist für die Moral wichtig." Am Ende fehlte nach Spielen gegen Neuseeland (1:1), Südafrika (2:1), China (1:2) und Holland (2:2) auch das Glück, denn die "Oranjes" kamen nur dank eines mehr geschossenen Tores an Stelle der DHB-Elf weiter.

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