Sport : Hockey-Team bangt vor EM um Kapitän

Stefan Hermanns

Leipzig - Timo Weß muss sich jetzt nicht mehr alleine fühlen. Bis gestern war er der einzige deutsche Hockey-Nationalspieler in Leipzig, erst am Freitag reiste der Rest des Kaders an, um sich an Ort und Stelle auf die morgen beginnende Europameisterschaft vorzubereiten. Weß hat noch ein bisschen aufzuholen. Sechs Wochen, um genau zu sein. Vor sechs Wochen zog er sich beim Fußballspielen einen Mittelfußbruch zu, mit zehn Prozent bezifferten die Mediziner die Chance, dass der Kapitän der Nationalmannschaft noch rechtzeitig zur EM fit werden würde. „Jetzt sind wir bei hundert Prozent“, sagt Weß.

Diese Rechnung ist wohl etwas zu optimistisch. Weß sagt zwar, dass sein Fuß wieder voll belastbar sei; fraglich ist jedoch, ob auch seine Spielfitness für bis zu fünf Begegnungen in acht Tagen ausreicht. Gestern Abend spielte er in einem inoffiziellen Testspiel gegen England (2:2) über die volle (verkürzte) Spielzeit von zweimal 20 Minuten. Davon, wie Weß die Belastung weggesteckt hat, wird abhängen, ob er dem endgültigen EM-Kader angehört und morgen im ersten Spiel gegen Schottland (15 Uhr, auf der Anlage des ATV Leipzig) auflaufen kann. Bis heute elf Uhr muss sich Bundestrainer Bernhard Peters entscheiden. Als Nachrücker für Weß steht Philipp Zeller bereit.

Ein Ausfall des Kapitäns würde die Nationalmannschaft hart treffen. „Timo ist eine tolle Spielerpersönlichkeit, die von allen akzeptiert wird“, sagt Peters. „Er ist ein ruhiger, abwägender und intelligenter Bursche.“ Nach den Olympischen Spielen in Athen hat Weß die Nachfolge von Kapitän Florian Kunz angetreten – und das, obwohl er erst 23 ist. Doch der Verteidiger vom Crefelder HTC spielt bereits seit vier Jahren in der Nationalmannschaft und war an allen großen Erfolgen seitdem (Weltmeister 2002, Europameister 2003 und Olympiadritter 2004) beteiligt.

Als Kapitän ist Weß das Bindeglied zwischen den jungen und den erfahrenen Spielern. Das deutsche Team befindet sich im Umbruch; umso mehr freut es Peters, dass er den Routinier Björn Emmerling für das Turnier in Leipzig zu einer vorzeitigen Rückkehr in die Nationalmannschaft bewegen konnte. Der Stuttgarter ist mit 29 Jahren der älteste Feldspieler im deutschen Aufgebot.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben