Sport : Hockey-Torhüterin Iris Fischer bekommt beim Berliner HC Konkurrenz

Dietmar Wenck

Nein, sagt Iris Fischer, Angst habe sie keine bekommen, als ihr Trainer Friedel Stupp im Sommer eröffnete, dass zur Hallensaison eine neue Torhüterin, Louisa Walter von Schwarz-Weiß Köln, den Berliner HC verstärken soll. Wäre auch komisch bei einer Spielerin auf ihrer Position. Torhüter sind besondere Charaktere, das weiß man nicht nur im Hockey. Und Angst dürfen sie schon gar nicht zeigen. Also sagt Iris Fischer: "Auf Grund meiner Erfahrung werde ich mich behaupten können. Ich bin immer noch eine der besten Torhüterinnen in Deutschland."

Das sagt sie so, obwohl sie nie ein Länderspiel bestritt. Aber Routine hat die 31-Jährige und mit Abstand Dienstälteste bei den BHC-Damen reichlich. Am Wochenende, wenn die Zehlendorferinnen im Halbfinale um die Deutsche Feldhockey-Meisterschaft bei Gastgeber Klipper Hamburg antreten müssen, bestreitet sie ihre 16. Endrunde. Sie hat mit ihrem Klub in den erfolgreichen 90er Jahren Meisterschaften und Pokale gewonnen, auch den Europapokal der Landesmeister. Doch ihre schönste Saison, erinnert sich Iris Fischer, war die erste: "Frank Hänel war zu der Zeit unser Trainer. Das war alles nicht so einfach damals, wir standen kurz vor dem Abstieg. Da wurde ich viel mehr gefordert." Als der Klub im folgenden Jahr zum ersten Mal Meister wurde, schaute sie zu, mit einem gebrochenen Arm. Das war erst recht nicht einfach.

Die Erzieherin hat sich wieder nach vorn gespielt und dort gehalten, weil keine besser hielt als sie. "So ganz locker die Nummer eins war ich nie", sagt Fischer zwar. Aber am Ende war sie es eben doch. Fehlte nur die Berufung in die Nationalmannschaft. 1993 hat sie der damalige Bundestrainer Rüdiger Hänel ein Mal eingeladen, aber am Ende blieb Birgit Beyer im Kader. Die Kölnerin gilt heute als beste deutsche Torhüterin. Damals hat sie Hänel gefragt, warum der sie und nicht Iris Fischer ausgewählt habe. "Weil du größer bist", hat der Bundestrainer geantwortet. Manchmal fehlen im Sport nur ein paar Zentimeter. Während der Olympischen Spiele in Atlanta hat Iris Fischer traurig vor dem Fernseher gesessen und gedacht: Das hättest Du auch gekonnt.

Eine, die den Sprung vermutlich schaffen wird, ist Louisa Walter. Sie ist den hockey-typischen Weg über die Nachwuchs-Kader gegangen, hat gerade erst Abitur gemacht und kommt zum Studieren nach Berlin. Iris Fischer hat schon mit ihrer wahrscheinlichen Nachfolgerin trainiert. Ein ruhiges Mädchen sei das, sagt sie. Ihren Platz freiwillig räumen wird sie deswegen nicht, "die Hallen-Endrunde ist nächstes Jahr in Berlin, da will ich schon noch die Nummer eins sein". Ein bisschen Herausforderung werde ihr sogar gut tun, glaubt sie. "Andererseits", sagt sich Iris Fischer, "bin ich alt genug, es einzusehen, wenn eine andere besser ist als ich."

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