Hockey : Trainer, warum ich?

Hockey-Torwart Ulrich Bubolz vom Berliner HC wird überraschend nicht für Olympia nominiert.

Ingo Schmidt-Tychsen
Bubolz
Trauriger Torwart. Ulrich Bubolz hatte damit gerechnet, für Olympia nominiert zu werden. -Foto: dpa

Berlin - Die zwei Freunde hatten schon alles geplant. Tibor Weißenborn und Ulrich Bubolz wollten sich ein Zimmer in Peking teilen, die Olympischen Spiele sollten ihr Turnier werden. Am Sonntag dann versammelte Bundestrainer Markus Weise die Hockey-Nationalmannschaft nach der Champions Trophy in Rotterdam, um seine Auswahl bekannt zu geben. Er verlas die 18 Namen in einer großen Runde mit allen Spielern – die hatten sich das vorher so gewünscht. Den Namen Ulrich Bubolz las Weise nicht vor. „Das fand die Mannschaft sehr überraschend und komisch“, sagt Weißenborn, der mit dem Torwart Bubolz vom Berliner HC lange zusammengespielt hatte.

Bundestrainer Weise sprach von einer schwierigen Entscheidung in der Torwart-Frage. „Bei den Feldspielern waren es rein sportliche Entscheidungen, die zu dieser Nominierung geführt haben. Bei den Torhütern waren es sportliche Gründe und auch viel Bauchgefühl“, sagt er auf der Internetseite des Verbandes. Telefonisch war der Bundestrainer gestern nicht zu erreichen.

Zu der am Sonntag zu Ende gegangenen Champions Trophy, bei der Deutschland nur den fünften Platz belegte, hatte Weise noch Ulrich Bubolz und Max Weinhold von Rot-Weiss Köln mitgenommen, die abwechselnd im Tor standen. Letztlich aber nominierte er Weinhold als ersten Torwart und als Nachrücker überraschend Christian Schulte vom Crefelder HTC, der mit einer der beiden so genannten P-Akkreditierung mit nach Peking darf – nur bei einer Verletzung von Weinhold rückt Schulte in den Kader. Unter den 18 Spielern ist damit nur ein Berliner: Der Stürmer Florian Keller von den Zehlendorfer Wespen. Der Mittelfeldspieler Tibor Weißenborn spielt nach vielen Jahren beim Berliner HC inzwischen bei Rot-Weiss Köln.

Am Montagabend wollte Weißenborn mit seinem Kumpel Bubolz telefonieren, der gestern nicht zu erreichen war. Weißenborn sprach ungläubig von der Nicht-Berücksichtigung des Torwarts Ulrich Bubolz. „Ich habe gedacht, er sei die Nummer Eins“, sagt Weißenborn. Der Bundestrainer habe während der Champions Trophy keine Signale gegeben, welchen Torwart er dem anderen vorzieht. „Deswegen haben wir in der Mannschaft angefangen zu überlegen. Wir hatten gedacht, es entscheidet sich zwischen Max und Uli“, erzählt er. Ausgerechnet Bubolz. 2006 war er erst kurz vor der Weltmeisterschaft in Deutschland vom damaligen Bundestrainer Bernhard Peters zur Nummer Eins gemacht worden. Mit seinen Paraden im Halbfinale gegen Spanien trug er einen wesentlichen Teil zum Titelgewinn bei. Die Entscheidung kam damals überraschend und wurde mit Jürgen Klinsmanns Entscheidung für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn verglichen. „Der Vergleich Jens Lehmann liegt nahe, weil jetzt die Nummer zwei die Nummer eins ist“, hatte er während des Turniers zu seinem schnellen Aufstieg gesagt. Diesmal ist der 27-jährige Bubolz selbst der Leidtragende einer schnellen Rotation. Max Weinhold ist erst in der vergangenen Saison aus der Zweiten Liga Nord mit Rot-Weiss Köln in die Bundesliga aufgestiegen.

Mit dem routinierten Christian Schulte hatte niemand gerechnet. Schulte wird während der Olympischen Spiele 33 Jahre alt. Wie bei der Weltmeisterschaft wird er aber nur die Nummer Zwei sein. Und wegen der neuen Regel mit den zwei so genannten P-Akkreditierungen darf Schulte nicht einmal auf der Bank sitzen, sondern muss auf die Tribüne. „Für den Torwart, der auf Position 17 oder 18 ist, ist das natürlich nicht so prickelnd“, sagte Stephan Abel, der Präsident des Deutschen-Hockey-Bundes dazu.

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