Hockey-WM : Stolzer Zweiter

Am Ende wurde es dann nichts mit dem dritten Titel hintereinander: Die deutschen Hockeyherren unterlagen im Finale der Weltmeisterschaft in Indien mit 1:2 gegen den Favoriten Australien.

Claudia Klatt[Neu-Delhi]
Hockey
Abgang ohne Titel. -Foto: dpa

Bereits nach sechs Minuten hatte Eddie Ockenden ein frühes Tor erzielt für Australien. Eben das hatten die Deutschen unbedingt vermeiden wollen, weil die Australier berühmt sind für ihre schnellen Konterangriffe. Und so konnten die Australier nach den Finalniederlagen 2002 und 2006 gegen Deutschland erstmals seit 1986 wieder die Weltmeisterschaft gewinnen.

Schon vor dem Spiel hatte Bundestrainer Markus Weise gemutmaßt: „Wenn wir uns viele Fehler leisten, wird wahrscheinlich Australien Weltmeister.“ Das taten die deutschen Spieler jedoch nicht, sie spielten wie auch in den Spielen zuvor „unfassbar“, wie es Teammanager Jochen Heimpel ausdrückte. Auch durch den Pausenrückstand ließ sich die junge deutsche Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen und suchte immer wieder den Ausgleich. Dabei wurde sie von großen Teilen des Stadions unterstützt: Mitarbeiter der deutschen Botschaft hatten auf der Tribüne Deutschlandfahnen verteilt, die ihnen förmlich aus der Hand gerissen wurden. Am Ende besetzten die schwarz-rot-gold gekleideten deutschen Fans einen ganzen Block im Hockeystadion. Unmittelbar nach Spielende bedankte sich die Mannschaft auf einem Riesenbanner bei allen Fans für die tolle Unterstützung. Die Hoffnung der Anhänger war zuvor noch einmal aufgekeimt, als eine Variante bei einer Strafecke zum 1:1 durch Moritz Fürste führte. Das Spiel war noch einmal offen. Die deutsche Mannschaft hatte in der zweiten Hälfte mehrmals die Führung auf dem Schläger, konnte aber gegen die ausgebufften Australier, die clever verteidigten, kein Tor erzielen. In dieser Phase war zu erkennen, wie unerfahren diese Mannschaft noch ist. Für viele deutsche Spieler war dies die erste Weltmeisterschaft.

Das Spiel blieb bis zum Ende spannend, auch die Schiedsrichter merkten das. Fast jede wichtige Entscheidung ließen sie per Videobeweis prüfen, weil sie sich ganz sicher sein wollten. Elf Minuten vor Spielende entschieden sie auf Strafecke für Australien – nach der Videokontrolle: Der australische Strafeckenspezialist Luke Doerner schob den Ball flach unten links am erneut starken Tim Jessulat vorbei in das deutsche Tor. Trotz des Aufbäumens der deutschen Mannschaft in den letzten zehn Minuten reichte es nicht mehr zum erneuten Ausgleich – und Australien siegte.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, in ihr steckt noch viel Potenzial,“ sagte Trainer Markus Weise trotz der Niederlage. Und auch wenn die Enttäuschung unmittelbar nach dem Spiel groß war, konnten die Spieler auf dem Siegertreppchen schon wieder lachen: Martin Häner wurde als bester Verteidiger des Spiels ausgezeichnet, Kapitän Max Müller sogar als bester Verteidiger des Turniers.

Vielleicht haben sich die deutschen Spieler auch nur gefreut, dass sie sich nach 20 ungeschlagenen WM-Spielen hintereinander endlich wieder rasieren können. Denn wie immer bei Turnieren lautete das deutsche Motto auch in Neu-Delhi: Wer sich rasiert, verliert.

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