Sport : Hockeybund wehrt sich gegen die Diktatur des Fußballs

Sophie Genschow

Berlin – Was Dieter Schürmann unlängst in der Zeitung las, hat ihn empört. „Wir können doch nicht eine Nicht-Weltmeisterschaft 2006 veranstalten“, sagt der Teammanager der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Es ist tatsächlich kurios: Der Deutsche Hockeybund (DHB) richtet im nächsten Jahr in seiner Sportart eine Weltmeisterschaft aus – und darf sie nicht so nennen.

Dieses Verbot hat der Fußballweltverband Fifa beim Bundespatentgericht durchgesetzt. Die Marken „WM 2006“ und „Fußball WM 2006“ bleiben geschützt und werden nicht gelöscht, wie es das Deutsche Patentamt vor knapp zwei Monaten angeordnet hat. Die jüngste Entscheidung aber kann der Teammanager der Hockeynationalmannschaft nicht nachvollziehen. „Als ich das in der Zeitung gelesen habe, dachte ich, so blöd kann doch keiner sein“, sagt Schürmann, „diese Diskussion verstößt gegen jegliche Gebote von Sportlichkeit und Fairness.“ Andere sehen das gelassener. „Die Weltmeisterschaft heißt eigentlich Hockey World Cup, und dieser Titel wird durch das Gerichtsurteil auch nicht beeinträchtigt“, sagt DHB-Sprecher Torsten Bartel.

Die Gerichtsentscheidung hat offenbar im Hockey den Eindruck noch verstärkt, im Schatten des Fußballs zu stehen. Horst Buhr, Teammanager des Bundesligisten Berliner HC, sagt: „Die kleineren Sportarten stehen sowieso schon im Hintergrund und nun schränkt sie diese Blockade in ihrem Handeln auch noch ein.“ Es sei in allen Sportarten, in denen Weltmeisterschaften veranstaltet werden, üblich, diese mit dem Titel „WM plus Jahreszahl“ zu versehen. „Es tangiert doch die Fußballer überhaupt nicht, ob jetzt Hockey gespielt wird oder nicht und wie das dann heißt“, sagt Schürmann. Er plädiert dafür, das Verbot zu ignorieren. „Als DHB würde ich es drauf anlegen, mich von der Fifa verklagen zu lassen.“

Im Grunde soll der Beschluss nur das Fälschen von Fanartikeln unterbinden, doch bezieht er auch die beliebten Sammelbilder in Schokoriegeln mit ein. Diese dürfen noch die Aufschrift „WM 2006“ tragen, aber nur, weil der Ferrero-Konzern eine Rechtsbeschwerde eingelegt hat. Endgültig wird das Problem nun vor dem Bundesgerichtshof geklärt. Müssen die jungen Fußballfans bald auf die Klebebilder ihrer Idole an Schrank- und Zimmertür verzichten? „Nicht unbedingt“, sagt Diana Nickl, Sprecherin des Bundespatentamtes. „Jeder Konzern hat die Möglichkeit, sich eine Lizenz von der Fifa zu kaufen, welche es ihm erlaubt, die Markennamen WM 2006 und Fußball WM 2006 öffentlich zu benutzen.“ Ein gutes Geschäft für die Fifa.

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