Sport : Höchste Gefühle für Europa

Mit dem 30:24 beim SC Magdeburg qualifizieren sich die Füchse Berlin direkt für die Champions League

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Der große Wurf. Sven-Sören Christophersen (mit Ball) wurde rechtzeitig zum Spiel in Magdeburg fit und erzielte fünf Tore. Foto: dpa
Der große Wurf. Sven-Sören Christophersen (mit Ball) wurde rechtzeitig zum Spiel in Magdeburg fit und erzielte fünf Tore....Foto: dpa

Noch war knapp eine Minute zu spielen, da jubelte der sonst so beherrschte Dagur Sigurdsson schon den Füchse-Fans zu. Wenig später musste der Isländer eine wenig um seine Gesundheit fürchten. Seine Spieler warfen ihn so vehement in die Luft, dass der Berliner Trainer froh war, als er diesen Flug heil überstanden hatte. Aber die Party der Füchse Berlin vor 7100 Zuschauern war in der Bördelandhalle noch lange nicht beendet. Mit 30:24 (11:12) hatten sie im letzten Saisonspiel in der Handball-Bundesliga nicht nur den SC Magdeburg besiegt, ihnen war am Samstagnachmittag auch etwas Sensationelles gelungen. In ihrer erst vierten Erstligasaison haben sie sich als Dritter hinter Hamburg und Kiel für die Champions League qualifiziert. Dieses Ergebnis ließ auch Sigurdsson nicht kalt. Mit zittriger Stimme kommentierte er den Erfolg, während sein Team mit dem Hüpfen im Kreis nicht mehr aufhören wollte.

Sein erster Dank ging an die medizinische Abteilung der Füchse, die Sven-Sören Christophersen rechtzeitig zum alles entscheidenden Spiel wieder fit bekommen hatte. „Mit ihm haben wir auf halblinks den Druck auf die gegnerische Abwehr bekommen, den wir in Magdeburg so dringend benötigten“, sagte Sigurdsson, dem noch Worte wie „Riesenwille“, „großer Kampf“ und „überglücklich“ über die Lippen kamen. Als er dann erfuhr, dass die Gruppenauslosung zur Champions League am 28. Juni um 11 Uhr in Wien vorgenommen wird, wurde er sogar in Bezug auf seine Urlaubsplanung wankelmütig. Erst sagte Sigurdsson, dass er nicht dort hin reisen werde, dann verbesserte er sich mit einem Lachen: „Na ja, vielleicht doch.“

Vergessen war in diesem Augenblick, wie hart dieser achte Sieg in Folge erkämpft wurde. Wie das Team um seinen Nationalspieler Christophersen gebangt hatte, der nach einem Muskelfaserriss in der linken Wade um den Einsatz gekämpft hatte. Und zu allem Unglück konnte auch Rechtsaußen Markus Richwien wegen einer Ellenbogenverletzung bei seinem ehemaligen Team nicht spielen. Aber all das warf die Füchse nicht um. Sie blieben gelassen, auch als ihnen in der ersten Halbzeit einiges nicht gelang.

Wenn sich für die Füchse die Chance ergab, den Vorsprung von maximal einem Treffer auszubauen, scheiterten sie. Allein drei Siebenmeter ließen Michal Kubisztal, Ivan Nincevic und Mark Bult aus. Beim 4:3 (12. Minute), dem 7:6 (20.) und in der letzten Sekunde der ersten Halbzeit. Dabei brauchte Dario Quenstedt im Magdeburger Tor nicht einmal große Paraden zeigen, so kläglich waren die Würfe. „Wir sahen da ein sehr intensives Spiel, bei dem wir bis hin zur Torhüterleistung ein Plus für uns hatten“, analysierte Magdeburgs Trainer Frank Carstens. Die Füchse verloren aber nie die Übersicht, wurden, trotz einiger technischer Fehler und unplatzierter Würfe, nicht hektisch. In vielen Spielen in dieser Saison hatten sie schon gezeigt, dass sie sich dank ihrer starken Physis steigern können.

Hinzu kam, dass sich Dagur Sigurdsson einmal mehr als Meister der Halbzeitansprache erwies. Seine Wort kamen auch diesmal wieder zum rechten Zeitpunkt. Die Füchse schafften nicht nur jedes Mal wieder den Ausgleich, die letzte Viertelstunde gehörte ihnen ganz allein. Beim 18:17 (45.) gingen sie durch Christophersen in Führung und ließen sich von da an nicht mehr von der Siegerstraße abbringen. Beim 27:20 (54.) waren sie erstmals mit sieben Treffer vorn, zu diesem Zeitpunkt begannen auch die Umarmungen und Gratulationen. Am Ende war Ivan Nincevic mit sechs Treffern der erfolgreichste Werfer bei den Füchsen, gefolgt von Kapitän Torsten Laen und Christophersen mit jeweils fünf.

Doch es waren die Spieler selbst, die diese Rangfolge als unwichtig bewerteten. „Auch die Spieler haben einen Riesenanteil an unserem Erfolg über die gesamte Saison gesehen, die nicht so viele Einsätze bekamen“, sagte Torhüter Silvio Heinevetter, der – für seine Verhältnisse – bei seinem früheren Klub Magdeburg einen eher ruhigen Eindruck hinterließ. „Wir hatten ja lange Zeit, uns mit dem Thema Champions League zu befassen“, sagte der 26-Jährige, „denn in der gesamten Saison waren wir stets unter den vier Besten.“ Letztlich war es nicht einmal eine Überraschung, dass die Füchse sich für den wichtigsten Mannschaftswettbewerb in Europas Handball qualifiziert hatten.

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