Sport : Höchstens ein Fußbruch

Der Unfall von Robert Kubica sah schlimm aus, doch dank mehrerer Schutzsysteme passierte ihm wenig

Karin Sturm

Berlin - Die Bilder waren ein Schock: In der 26. Runde des Großen Preises von Kanada – direkt nach dem Neustart nach einer ersten Safety-Car-Phase – erlebte die Formel 1 den am schlimmsten aussehenden Unfall der letzten Jahre. Bei dem Versuch, Jarno Trulli außen zu überholen, blieb der Pole Robert Kubica (BMW-Sauber) bei deutlich mehr als 200 Stundenkilometern an dem Toyota hängen, stieg auf, krachte dann noch in den geparkten Toro Rosso von Scott Speed, flog sich mehrfach überschlagend quer über die Strecke und krachte dann schon ohne Räder fast frontal in eine Betonmauer.

Die ersten Bilder ließen Schlimmstes vermuten, doch nach einer guten halben Stunde konnte Kubicas Manager Daniele Morelli erste Entwarnung geben: „Ich habe mit Robert im Medial Center geredet, er war ansprechbar, es ist nicht so schlimm, wie es erst aussah.” Er wurde ins Krankenhaus geflogen, doch auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagte: „Es steht fest, dass er keine größeren Verletzungen davon getragen hat, maximal einen Knöchelbruch.“ Nach den Schockbildern war es für alle eine riesige Erleichterung, der Pole hatte in Kanada mehr als einen Schutzengel gehabt.

Doch bei aller Angst um Kubica – die Ursache für den Unfall war wohl ganz klar ein eigener Fehler. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Niki Lauda sprach es sehr offen an: „Das war eine absolute Dummheit, das kann man an der Stelle einfach nicht probieren. Jeder weiß doch, dass die Strecke hier neben der Ideallinie so dreckig ist, dass man da keine Chance hat.” Er könne wirklich nicht nachvollziehen, was sich Kubica bei der Aktion gedacht habe - überhaupt, so Lauda, „haben bei diesem Rennen wohl einige Leute völlig ihr Hirn ausgeschaltet. Der eine, Trulli, fliegt dann hinter dem Safety-Car voll ab, Massa und Fisichella fahren bei Rot aus der Boxengasse.“ Sicher sei die Strecke schwierig und schnell, mit relativ kleinen Auslaufzonen, „aber so viel muss nicht passieren.“

Das Glück der heutigen Formel-1-Piloten, diesmal vor allem von Kubica: Die Autos sind unglaublich sicher geworden, die Kohlefaser-Monocoques können gewaltige Kräfte absorbieren, ohne sich zu verformen oder zu brechen. „Zu meiner Zeit, in unseren Aluminium-Autos, wäre man bei so einem Umfall zweimal tot gewesen”, sagt Lauda, „da hätte man keine Chance gehabt.” Dazu kommen noch weitere Errungenschaften wie das Sicherheitssystem HANS, das den Kopf und vor allem den Nacken der Piloten – normalerweise immer die größte Schwachstelle bei einem schweren Unfall – optimal schützt und abstützt. So blieb der Formel 1 die erste Tragödie seit 13 Jahren, seit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger in Imola, noch einmal erspart. Daraus jetzt den Schluss zu ziehen, dass man dann ja weiterhin hohe Risiken eingehen und sehr gewagte Aktionen probieren könne, könnte sich allerdings trotzdem als fatal erweisen. Dann nämlich, wenn einmal nicht mehr alle Schutzsysteme und Schutzengel zusammen wirken. Karin Sturm

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