Sport : Höhenluft und Sonnenschein

Der DFB sucht in Südafrika schon nach einem geeigneten Mannschaftsquartier für die WM 2010

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Düsseldorf - Oliver Bierhoff weiß, dass er und seine Tätigkeit von den Traditionalisten im deutschen Fußball häufig kritisch beäugt werden, aber was gemacht werden muss, muss gemacht werden. Am Sonntag wird Bierhoff mit einer kleinen Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach Südafrika reisen, um ein Quartier für die Weltmeisterschaft 2010 zu suchen.

„Wir wissen, dass das in der Öffentlichkeit nicht so gut rüberkommt, wenn man sich noch gar nicht qualifiziert hat und sich schon nach einem Hotel umsieht“, sagt Bierhoff. „Aber in diesem Fall bleibt uns keine Wahl.“ Zur DFB-Delegation gehört auch Georg Behlau, der Büroleiter Nationalmannschaft. Die erste WM auf afrikanischem Boden bezeichnet er als eine „außergewöhnliche Herausforderung“. Südafrika sei zwar ein riesiges Land, aber Hotelanlagen mit adäquaten Trainingsmöglichkeiten seien rar. Die Deutschen sind jedenfalls nicht die Ersten, die sich im Gastgeberland umschauen. „Wir wissen, dass sich einige Nationen bereits um ein Quartier in Südafrika bemühen“, sagt Behlau, „wir wollen keine Zeit verlieren.“

Sieben Tage werden Bierhoff und Behlau in Südafrika bleiben und sechs verschiedene Destinationen aufsuchen. Zweifel daran, dass die WM vielleicht doch nicht in Südafrika stattfindet, haben beide nicht. Erst vor kurzem hat Südafrikas neuer Präsident Kgalema Motlanthe dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter in einem persönlichen Gespräch erneut die volle Unterstützung für die erste Fußball-WM in Afrika (11. Juni bis 11. Juli 2010) zugesichert. „Wir sind auf Kurs und werden 2010 die beste Weltmeisterschaft – eine afrikanische WM – veranstalten“, sagte Motlanthe.

Nach wie vor ist die hohe Kriminalitätsrate in Südafrika ein Problem. Im Dezember 2007 machte etwa Oliver Bierhoff eine unliebsame Erfahrung, als ihm bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Durban seine Aktentasche samt Reisepass und Handys entwendet wurden. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist das Klima. Im WM-Sommer ist in Südafrika Winter. Die Spielorte Kapstadt, Durban und Port Elizabeth liegen am Meer, dort kann es recht kühl werden. In Johannesburg scheint auch im Winter meistens die Sonne und zumindest tagsüber ist es angenehm warm. Außerdem liegt die Stadt auf 1800 Meter Höhe. Aus sportmedizinischer Sicht wäre ein Quartier in Johannesburg oder der Umgebung sinnvoll, hinzu kommt, dass die Stadt bis zum Ende des Turniers Spielort ist und über zwei große Stadien verfügt. Das Finale wird dort am 11. Juli 2010 im Soccer-City-Stadion stattfinden, das 94 700 Zuschauern Platz bieten soll.

Bei der Wahl für das Basiscamp gibt es aber noch weitere Aspekte zu berücksichtigen. Es muss in der Nähe eines Flughafens liegen und die Möglichkeit bieten, ein großes Medienzentrum zu errichten. Im Falle einer erfolgreichen WM-Qualifikation wird Deutschland zu den acht gesetzten Gruppenköpfen gehören. Die Mannschaft müsste ihre Vorrundenspiele in drei teilweise weit voneinander entfernten Städten austragen.

„Kapstadt ist schön und sicher, Pretoria und Johannesburg liegen höher, werden aber als unsicher eingestuft“, sagt Bierhoff. Jüngst hat die Fifa-Agentur Match eine Liste mit 50 Hotelanlagen aufgelegt. „Wir werden den Markt aber auch in Eigeninitiative sondieren und uns viele Hotels anschauen“, sagt Behlau. Die Zeit dränge. „Das Turnier findet zwar erst in eineinhalb Jahren statt, aber organisatorisch ist die WM sehr nahe.“

Unabhängig davon hat auch der sportliche Plan bis zur WM 2010 deutliche Konturen bekommen. Derzeit stimmt der DFB mit der Fifa einen Termin für eine mögliche Asienreise im kommenden Sommer ab. Vermutlich wird die Mannschaft von Joachim Löw nach Abschluss der Bundesligasaison eine Länderspielreise nach Asien unternehmen. Bei der bislang letzten Asienreise im Dezember 2004 bestritt die Mannschaft des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann Testspiele in Japan, Südkorea und Thailand. Eine Entscheidung darüber wird aber erst im November fallen, wenn das DFB-Präsidium den Rahmenterminkalender für das kommende Jahr beschließt.

Um sich im Hinblick auf die Weltmeisterschaft auch schon mal auf den afrikanischen Fußball einzustimmen, wird die Mannschaft nach der Asienreise in einem Testspiel (5. September 2009) auf den WM-Gastgeber treffen.

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