Sport : Höhepunkt einer Karriere

Wie Deutschlands Basketballer um die WM-Plätze kämpfen

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Von Sven Simon

Göttingen. Eigentlich war es eine gute Gelegenheit für die Rollenspieler. In gut drei Wochen beginnt in Indianapolis die Weltmeisterschaft, und die deutschen Basketballer kämpfen um zwölf Plätze im Kader. Bis auf fünf, sechs Spieler steht noch nicht fest, wer mitreisen darf in den basketball-verrücktesten Bundesstaat der USA. Da kamen die beiden Spiele gegen Estland am Dienstag in Göttingen (75:66) und am Abend darauf in Hamburg (90:69) genau recht. Zumal mit Henrik Rödl (Wadenprobleme) und den beiden NBA-Profis Dirk Nowitzki und Shawn Bradley drei Leistungsträger fehlten.

Vor 3000 Zuschauern in der Göttinger Lok-Halle hielten es zudem die gesetzten Spieler aus der Startformation – speziell Patrick Femerling, Ademola Okulaja und Marko Pesic – für wichtiger, mit den Schiedsrichtern zu diskutieren. Für alle anderen eine gute Gelegenheit, sich dem Trainer aufzudrängen. Beim ersten Spiel schafften dies nur Topscorer Robert Maras aus Frankfurt (12 Punkte) und der künftige Leverkusener Sven Schultze (4). Ihnen gelang die Gratwanderung zwischen eigenen Aktionen und mannschaftsdienlichem Spiel. Für Maras ist das nicht schwer, schließlich „sagt mir der Coach meine Rolle, und die muss ich erfüllen“. Man müsse halt seine Stärken kennen, sagt der Berliner Jörg Lütcke. „Und wenn der Coach diese Qualitäten braucht, dann kommt man mit.“ Lütcke ist sich bewusst, dass die WM „der Höhepunkt einer Karriere sein kann“.

Dementsprechend hart bearbeiten sich die direkten Konkurrenten im Training. „Aber nicht so, dass es unfair wird. Niemand missgönnt dem anderen was.“ Marvin Willoughby, der gerade von Würzburg nach Köln gewechselt ist, spielt auf der gleichen Position wie Lütcke, sieht aber „größere Probleme, weil ich in Würzburg alle Freiheiten hatte, und in der Nationalmannschaft gibt es kaum etwas, was nicht ein anderer besser kann. Ich muss dem Coach über den Einsatz zeigen, dass ich ein wichtiger Teil der Mannschaft bin.“ Genau das sind die Anforderungen von Bundestrainer Henrik Dettmann an seine Rollenspieler: „Ich erwarte Defense, Defense, Defense, danach Kampf, Kampf, Kampf und Rebounds, Rebounds, Rebounds.“ Die Journalisten grinsten während seiner Worte, er selber nicht.

Den Kampf um die Abpraller vom Korb verlor sein Team in Göttingen, Estland erkämpfte sich zwölf Rebounds mehr. Dennoch reichten den deutschen Basketballern fünf gute Minuten, um 35 schlechte zu übertünchen. Man könne so ein Spiel nur auf eine Art spielen, sagte Dettmann: „So wie Estland, nämlich hart, wir aber haben weich gespielt.“ Der Frage, ob sich manche Spieler ihres Platzes zu sicher seien, wich er aus. Er sagte, dass „die Spieler ganz genau wissen, wo sie stehen“. Fast hörten sich die Worte des Finnen wie eine Drohung an. Doch sie wirkte, im zweiten Spiel verkaufte sich sein Team besser. Steven Arigbabu war mit 14 Punkte bester Werfer, Jörg Lütcke kam auf 12 Zähler. Nächste Woche beginnt in Braunschweig der Nations-Cup. Danach wird Dettmann sechs Spieler in den Urlaub schicken.

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