Höhepunkt : Schalke gegen die Union weckt Erinnerungen

Am Samstag erlebt das neue Stadion an der Alten Försterei seinen zweiten Höhepunkt. Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Union empfängt Bundesligist FC Schalke 04 zum Testspiel. Vor acht Jahren trafen beide Klubs schon einmal in Berlin aufeinander – beim DFB-Pokalfinale. Unser Autor, selbst Union-Fan, erinnert sich.

Lothar Heinke
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Sogar Gerhard Mayer-Vorfelder gratulierte Unionpicture-alliance

Heute erlebt das neue Stadion an der Alten Försterei seinen zweiten Höhepunkt. Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Union empfängt Bundesligist FC Schalke 04 zum Testspiel (15.30 Uhr). Vor acht Jahren trafen beide Klubs schon einmal in Berlin aufeinander – beim DFB-Pokalfinale. Unser Autor, selbst Union-Fan, erinnert sich:

So etwas gibt’s nur alle 100 Jahre. Im Endspiel! Im Olympiastadion! Vor 70 000 Leuten! Und dann noch gegen die berühmten Knappen. Die Berliner mit ihren rot-weiß-längsgestreiften Trikots (was an die Klamotten im siegreichen FDGB-Pokalfinale gegen Carl Zeiss Jena von 1968 erinnern sollte) hielten wacker mit, jedenfalls eine Halbzeit lang. 0:0. Nanu? Schalke? Bundesliga? Gegen uns aus’m Osten, die krisengeschüttelten Nobodys?

Wir waren ja immer für jeden Spaß zu haben, und um dem Match den Ernst zu nehmen, aber auch, um eine eiserne optische Mauer zu errichten, hatten sich viele Unioner rote Perücken über die Haare gestülpt. Die Rot-Perücken machten das ganze Heimspiel über gewaltigen Lärm, was die Schalker schließlich dazu bewog, in der zweiten Halbzeit zwei Tore zu schießen, und das war es dann. Rot-Weiß-Blau feierte noch ein bisschen zusammen und erinnerte sich an alte Zeiten, als die Schalker Fans unter den Unionern – und viele Eiserne kamen gern mit den Aufnähern der Bundesligaklubabzeichen auf ihren Jeans-Westen in die Alte Försterei – zu den Spielen ihrer fernen Geliebten fuhren oder flogen. In erreichbaren Gegenden irgendwo im sozialistischen Lager.

Das ist nun alles Schnee von vorgestern. Wo ist eigentlich Texas, den der Trainer damals erst in der 80. Minute gebracht hatte (was ein Skandal war)? Was macht Sven Beuckert, der Keeper, dem wir den Einzug ins Finale verdankten? Wo spielt Okeke? Der Ball lebt schnell, Papier ist geduldig: Im Regal vergilbt das Titelbild von „11 Freunde“, auf dem Gerhard Schröder, Bundeskanzler, Unions Ronny Nikol die Silbermedaille um den Hals hängt. Unwiederholbar historisch. Nur Gerhard Schröder bleibt aktuell, weil Schalkes Hauptsponsor Gazprom das heutige Benefizspiel initiiert. Und: Trainer Felix Magath war schon einmal da, 2004, als Union am Boden lag. Mit den Bayern. Und da fand er die Alte Försterei total irre: „Wo gibt es denn noch so ein reines Fußballstadion?“

Was wird er wohl heute sagen?

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