Sport : Höhepunkt vor dem Höhepunkt

Champions Trophy ist nur Vorspiel der Hockey-WM

Stefan Hermanns

Berlin - Eigentlich ist es nicht zulässig, zwei Sportarten miteinander zu vergleichen, bei denen schon die Voraussetzungen nicht zu vergleichen sind. Aufschlussreich kann es trotzdem sein. Man stelle sich einmal vor, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hätte Ende April, sechseinhalb Wochen vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft, noch den Confed-Cup bestreiten müssen. Unmöglich? Nicht im Hockey. Am 6. September beginnt in Mönchengladbach die WM der Männer, ab morgen treffen in Terrassa (Spanien) die sechs besten Mannschaften der Welt bei der Champions Trophy aufeinander. „Das ist der zweite richtig große Höhepunkt des Jahres“, sagt Uli Bubolz, der derzeit verletzte Torhüter der deutschen Mannschaft. „Das wird ein knüppelhartes Turnier.“ Innerhalb von neun Tagen müssen die Deutschen neun Spiele bestreiten.

Bundestrainer Bernhard Peters ist nicht besonders glücklich mit der Terminierung. „Idealerweise hätte die Champions Trophy drei, vier Wochen früher stattfinden sollen“, sagt er. „So ist das alles zu eng gestrickt.“ Der Bundestrainer hat schon häufiger kritisiert, dass vor allem die Nationalspieler viel zu viele Spiele bestreiten müssten, und daher unter anderem für eine Verkleinerung der Bundesliga gekämpft. Vergebens. Im aktuellen Fall hält Peters vor allem die psychische Belastung der Spieler für problematisch: „Wer die Champions Trophy gewinnt, wird nicht Weltmeister.“

Favorit wollen die Deutschen in Terrassa daher gar nicht sein, zumal Peters noch mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Die Vorbereitung auf die WM wurde immer wieder durch Verletzungen beeinträchtigt. Torhüter Bubolz musste an der Schulter operiert werden und könnte sogar die Weltmeisterschaft verpassen. Eike Duckwitz fällt in Terrassa mit einem Muskelfaserriss aus. Und vor allem die beiden Stürmer Matthias Witthaus und Christopher Zeller sind noch nicht in Topform. „Wenn wir Zweiter werden, wäre ich superzufrieden“, sagt Peters. Seine gesamte Planung ist auf die WM im eigenen Land ausgerichtet, das letzte Turnier, bei dem er die Nationalmannschaft betreuen wird. Anschließend wird Peters Sportdirektor beim Fußball-Regionalligisten TSG Hoffenheim, zudem hat er gerade wieder mit dem Deutschen Fußball-Bund über einen Beratervertrag verhandelt.

Die Champions Trophy, sonst ein prestigeträchtiger Wettbewerb, ist zu einem Vorbereitungsturnier unter Wettkampfbedingungen degeneriert. Zum einen wird sie allen Beteiligten einen letzten Aufschluss darüber geben, wie weit die Mannschaften im Hinblick auf die WM sind; zum anderen will niemand bereits alle Karten auf den Tisch legen. Die Deutschen werden bei Strafecken nur ihre Standardversionen zeigen, neu eingeübte Varianten sollen bis zur WM unter Verschluss bleiben. Bernhard Peters hofft, dass andere Teams die Champions Trophy etwas ernster nehmen, als die Deutschen es tun. „Die Spanier müssen vor eigenem Publikum voll auf Sieg spielen. Und auch die Holländer sehen das Turnier nicht so wie wir“, sagt er. „Das ist gut so.“

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